Für unsere Honigbienen: Mehr blühende Vielfalt!

David Schanno, Imker bei den Stadtwerken Karlsruhe, 20.05.2020

Honig- und Wildbienen haben es nicht einfach derzeit. Zum Glück entdecken immer mehr Menschen die Bienenhaltung für sich. Die Stadtwerke waren Vorreiter und tragen mit ihren Völkern seit 2015 zu einer lebenswerten, natürlichen Stadtumgebung bei. Eine Würdigung zum Weltbienentag.
Bei den Stadtwerken summt und brummt es: Derzeit neun Honigbienenvölker haben ihre Beuten auf dem Betriebsgelände am Ahaweg. Für das Projekt verantwortlich ist Stadtwerke-Mitarbeiter David Schanno. Hier schildert er, worauf es ihm bei der Imkerei ankommt.

Bienenvölker als Beitrag zur Artenvielfalt in der Fächerstadt

Zu den Bienen kam ich, als ich selbst gerade vom Fliegen zurückkam. Mein Hobby ist das Gleitschirmfliegen. Vor vielen Jahren war ich noch ganz selig von einem Flug im Zillertal, als ich eine Biene in einer Blüte beobachtete. Das hat mich interessiert, und ich wollte mehr darüber wissen. Noch am Urlaubsort habe ich einen Imker besucht, später dann hier zuhause Kontakt zu einem Imker aufgenommen und Kurse mitgemacht. Bald hatte ich meine eigenen Völker, die mir viel Freude bereiten. Und wenn man 15 Bienenvölker als Hobby hat, spricht sich das herum. So kam es, dass mir die Stadtwerke vorschlugen, einige Honigbienenvölker zu betreuen.

Artgerechter Umgang mit der Biene: Keine Chemie

Und das habe ich natürlich gerne angenommen. Wichtig beim Arbeiten mit Bienen ist, dass es ökologisch und biologisch zugeht. Ich nutze zum Beispiel keine Chemie bei der Bekämpfung der Varroamilbe. Die ist eine große Gefahr für Bienen weltweit. Im Moment experimentieren wir zum Beispiel mit einem kleinen Skorpion, der die Milben unschädlich macht, was wiederum das Arbeiten deutlich aufwändiger gestaltet. Aber wir sind ja angetreten, zur Artenvielfalt in Karlsruhe beizutragen und nicht um eine Honigproduktion zu beginnen. Im Gegenteil: Den Honig sehe ich als Geschenk. Wir wollen der Natur etwas zurückgeben mit unserem Engagement.

Kinder und Jugendliche für Bienen begeistern

David Schanno mit Schulklasse

Bisher hatten wir auch ein ganz großes Glück mit unseren Bienenvölkern. Wir hatten keine Krankheiten und konnten schon im ersten Jahr Jungvölker an andere Nachwuchsimker abgeben. Im Moment warten auch wieder zwei Völker auf eine neue Heimat an einer Karlsruher Grundschule. Das finde ich ganz toll, weil die Kinder viel über die Imkerei und die natürlichen Zusammenhänge lernen. Deshalb bieten wir auch Kindergärten, Schulen oder Behindertenorganisationen an, unsere Stadtwerke-Bienen zu besuchen und selbst mal zu erleben, wie das alles funktioniert. Ich sehe immer, wie vor allem die jungen Teilnehmer aufblühen, das macht mir große Freude. Hoffentlich können wir das auch bald wieder machen, wenn die Coronarestriktionen noch weiter gelockert werden.

Von Bienen lernen heißt die Natur besser verstehen

Ich denke, es ist immens wichtig, sich mit Bienen zu beschäftigen. Sie führen uns vor, wie intelligent die Natur ist. Ein Bienenvolk leistet völlig ohne Computer eine sehr komplexe Aufgabe. Jede Biene hat ihre Rolle und alle wissen immer, wann was zu tun ist – und das alles ohne Logistikplan. Gleichzeitig führen die Bienen uns auch vor, was wir als Gesellschaft in der Natur falsch machen. Unsere Honigbienen haben nämlich zwei große Feinde: Pestizide und Monokulturen. Sie leiden einerseits an der Chemie, die in der Landwirtschaft eingesetzt wird. Das schwächt sie. Und weil es in der Natur immer weniger Vielfalt gibt – zum Beispiel weil es kilometerweit nur große Maisfelder gibt –, müssen Bienen immer weiter fliegen, um Pollen zu sammeln. So eine Biene ist zwar mit 30 Stundenkilometern ganz schön schnell, aber mehr als drei bis fünf Kilometer am Tag schafft sie nicht. Das viele Fliegen schwächt sie also ebenfalls.

Auch Obstbäume und Gemüsepflanzen brauchen Bienen

Was heißt das für uns? Wir müssen wieder mehr auf Vielfalt in der Landwirtschaft setzen und auf gefährliche Pestizide verzichten. Interessanterweise geht es heute den Bienen in der Stadt oftmals besser als in landwirtschaftlichen Gebieten. Denn hier ist die Vielfalt größer, die Wege sind kürzer für die Honigbienen. Vorbildlich sind Projekte, die die Artenvielfalt in der Stadt erhöhen – begrünte Dächer, bunte Stadtgärten, sogar Projekte zur Landwirtschaft in der Stadt. Machen wir es den Bienen bei uns schön, denn wir brauchen sie. Nicht nur ihr leckerer Honig gehört zu unserer gesunden Ernährung, sondern sie bestäuben für uns Obstbäume und Gemüsepflanzen. Sie sind also ein wichtiges Glied in der Nahrungskette: eines der drei wichtigsten Nutztiere neben Rind und Schwein.

Zahlen und Fakten - Hätten Sie das gewusst?

  • Rund 1 Million Bienenvölker gibt es in Deutschland.
  • Für 500 Gramm Honig müssen Arbeitsbienen rund 40.000 Mal ausfliegen und dabei eine Flugstrecke von rund 120.000 Kilometern zurücklegen. Das entspricht 3 Erdumrundungen.
  • Rund 80 Prozent der rund 800 heimischen Nutz- und Wildpflanzen sind auf die Honigbienen als Bestäuber angewiesen.
  • Der volkswirtschaftliche Nutzen der Bestäubungsleistung übersteigt den Wert der Honigproduktion um das 10- bis 15-Fache. Dies sind rund 2 Milliarden Euro jährlich in Deutschland und 70 Milliarden US-Dollar weltweit.

Lust auf Biene? – Das kann jeder tun

Vielleicht habt ihr ja jetzt Lust, euch ebenfalls um Bienen und andere nützliche Insekten zu kümmern. Wer nicht gleich zum Imker werden möchte, kann seinen Balkon oder Garten insektenfreundlich gestalten. Zum Beispiel beim NABU gibt es viele Tipps dafür und Bauanleitungen für Nisthilfen für verschiedene Insekten aus unterschiedlichen Materialien. Mein Tipp: Unordnung im Garten. Verbrennt nicht die Gartenabfälle, sondern lasst irgendwo einen Haufen mit Grünzeug, Ästen und Zweigen liegen. Kleintiere werden es lieben, und Insekten finden in den hohlen Ästen tolle Nistmöglichkeiten. Wer weiß, vielleicht kommen dann ja auch Stadtwerke-Bienen zu Besuch. Viel Spaß dabei!

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