Aus der traditionellen Uhrenherstellung im Schwarzwald entwickelte sich im vergangenen Jahrhundert eine Massenproduktion.

Von Karlsruhe aus sieht man die Ausläufer des Schwarzwaldes, den man ja traditionell mit Bollenhut und Kuckucksuhr in Verbindung bringt. Interessanterweise gibt es aber über die Hochburgen der Kuckucksuhren – Schonach, Villingen-Schwennigen und Furtwangen – hinaus weitere Zentren der Uhrherstellung. Dazu zählt vor allem Pforzheim mit seiner 250-jährigen Schmuck- und Uhrenindustrie. Erste Impulse für Pforzheim als Ort der Uhrenproduktion gab der Gründer von Karlsruhe, Markgraf Karl Friedrich von Baden, als er ein Privileg zur Uhrenherstellung erteilte. Anfang des 20. Jahrhunderts, als die Armbanduhren aufkamen, nahm die Uhrenproduktion richtig Fahrt auf.

Das Besondere: Pforzheim wurde dadurch bekannt und wohlhabend, dass hier nicht nur Goldschmied*innen und Uhrmacher*innen am Werk waren, sondern vor allem Arbeiter*innen. Der Fertigungsprozess war in viele einzelne Arbeitsschritte aufgeteilt. Das kann man sich vorstellen wie bei Ford am Fließband. So konnten die zahlreichen Firmen große Stückzahlen in guter Qualität produzieren.

Profilfräsautomaten für Rohwerkefertigung, PUW, 1960/65
Profilfräsautomaten für Rohwerkefertigung, PUW, 1960/65
Fräsautomaten für Rohwerkefertigung, PUW, 1960/65
Fräsautomaten für Rohwerkefertigung, PUW, 1960/65
Pivotage (Rollieren), PUW, 1960/65
Pivotage (Rollieren), PUW, 1960/65

Cornelie Holzach, Leiterin des Schmuckmuseums Pforzheim, fasst diesen Prozess so zusammen: „Ähnlich wie bei der Schmuckindustrie bedeuteten die erschwinglichen Preise eine Demokratisierung der Zeitmessung. Früher war eine Uhr ein Statussymbol! Man bekam sie zur Kommunion oder Konfirmation geschenkt und trug sie dann sein Leben lang. Noch in den 40er und 50er Jahren waren Uhren noch ein Privileg der Mittelschicht. Erst im Wirtschaftswunder konnte sich dann wirklich jeder und jede eine eigene Uhr leisten.“

Uhrmacherin am Drehstuhl, PUW, 1960/65
Uhrmacherin am Drehstuhl, PUW, 1960/65
Kontrolle der Platine, PUW, 1960/65
Kontrolle der Platine, PUW, 1960/65

Ein großer Einschnitt und der Anfang vom Niedergang war dann Anfang der 1970er-Jahre der Beginn der batteriegetriebenen Uhren. Neue Technik und futuristische Looks hatten nur eine kurze Vorstellung in der Goldstadt „Pforzheim verpasste den Anschluss und investierte nicht ausreichend in diese neue Technologie“, erklärt Cornelie Holzach. Eine Firma nach der anderen musste schließen. Zwischenzeitlich gab es keine Hersteller mehr, aber heute werden einige Designs oder Marken wiederbelebt. Die Tradition lebt fort in Firmen, die ein hohes Know-how in der Fertigung filigraner Metallteile haben, und in der Goldschmiedeschule mit Uhrmacherschule.

Schon gewusst?

Die Gestaltung der Kuckucksuhr stammt aus Karlsruhe! Und das kam so: 1850 rief der Direktor der Großherzoglich Badischen Uhrmacherschule in Furtwangen zu einem Wettbewerb für zeitgemäßes Uhrendesign auf. Der Name des Direktors: Robert Gerwig. Sieger des Gestaltungswettbewerbs war der Architekt Friedrich Eisenlohr. Wie Gerwig beschäftigte er sich viel mit Eisenbahngebäuden. So kam es wohl, dass er sich mit einem architektonisch geprägten Entwurf durchsetzen konnte: der Bahnhäusle-Uhr. Fortan trugen die Schwarzwälder Kuckucksuhren diese Grundform, die später immer weiterentwickelt wurde. Eisenlohr war viele Jahre lang in der Fächerstadt tätig und lehrte Konstruktion.

Ausflugstipps rund um die Uhrenindustrie:

Technisches Museum, Pforzheim (mit dem Schmuckmuseum direkt nebenan)
technisches-museum.de

Deutsches Uhrenmuseum, Furtwangen
deutsches-uhrenmuseum.de

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