Prozessabwärme der Papierfabrik wird zu Fernwärme

23.01.2020 | Die Karlsruher Fernwärme bekommt eine weitere Einspeise-Quelle / Stora Enso Maxau (SEM) und Stadtwerke Karlsruhe schließen Vertrag ab

Die Geschäftsführer der beiden Vertragsparteien besiegeln die künftige  Zusammenarbeit mit ihren Unterschriften: (von links) Dirk Rogge, Zuständiger Projektleiter, SEM; Dr. Olaf Heil, Technischer Geschäftsführer SWK; Joachim Grünewald, Geschäftsführer SEM; Michael Homann, Vorsitzender der Geschäftsführung SWK. 
Die Geschäftsführer der beiden Vertragsparteien besiegeln die künftige Zusammenarbeit mit ihren Unterschriften: (von links) Dirk Rogge, Zuständiger Projektleiter, SEM; Dr. Olaf Heil, Technischer Geschäftsführer SWK; Joachim Grünewald, Geschäftsführer SEM; Michael Homann, Vorsitzender der Geschäftsführung SWK.

Ein Teil der industriellen Prozessabwärme der am Rhein gelegenen Papierfabrik der Stora Enso Maxau (SEM) wird zukünftig für die Fernwärmeversorgung der Fächerstadt nutzbar gemacht. Dies haben die Stadtwerke Karlsruhe und die SEM gemeinsam beschlossen und nun auch vertraglich festgehalten.

„Dem Beschluss ging eine Studie voraus, die wir gemeinsam mit SEM beauftragt haben: Sie hat ergeben, dass es technisch, ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll ist, die Abwärme aus der Papierproduktion für das Fernwärmenetz unserer Stadt nutzbar zu machen“, erläutert Dr. Olaf Heil, Technischer Geschäftsführer der Stadtwerke Karlsruhe, bei der Vertragsunterzeichnung. „Wir freuen uns, dass wir Teil dieses großen Umweltprojekts werden und künftig unsere Prozesse auf diesem Weg im ökologischen Sinne noch besser gestalten können“, so Joachim Grünewald, Geschäftsführer der Stora Enso Maxau.

Klimafreundliche Wärme aus Abwärme

Die Karlsruher Fernwärme stammt zu über 90 Prozent aus industrieller Prozessabwärme und aus Abwärme bei der Stromerzeugung in so genannter Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Hauptlieferanten sind die Mineralölraffinerie Oberrhein (MiRO) und das Rheinhafen-Dampfkraftwerk der Energie Baden-Württemberg AG. Sowohl die Raffinerie als auch das Kraftwerk nutzen dabei Abwärme, die sonst verloren ginge, konsequent für die Fernwärmeversorgung. Das spart Ressourcen und schont Umwelt und Klima.

Nun wird die Abwärme der Papierfabrik als weitere Einspeisequelle hinzukommen: Zur Versorgung der Papierfabrik mit Prozessdampf und elektrischer Energie hat die SEM einen Wirbelschichtkessel, der zu über 80 Prozent mit Biomasse betrieben wird, mit zugehörigen Dampfturbinen in Betrieb. Die Turbinen werden im kombinierten Kraft-Wärme-Kopplungs- (KWK-) und Kondensationsbetrieb eingesetzt. Durch den derzeitigen Bau einer neuen, hocheffizienten Turbine ergibt sich zukünftig weiteres KWK-Potential. Dieses wollen die beiden Partner SEM und Stadtwerke künftig für die Wärmeversorgung nutzbar machen. Dies führt zu einer Vermeidung von 10.000 Tonnen CO2-Ausstoß pro Jahr.

Bildquelle: Stora Enso Maxau (SEM)
Bildquelle: Stora Enso Maxau (SEM)

Schaffung der technischen Voraussetzungen und Infrastruktur bis 2022

Die neue Dampfturbine von SEM wird im Laufe des Jahres 2020 in Betrieb gehen. Mit einem ebenfalls neuen Heizkondensator können dann pro Stunde rund 40 Tonnen Dampf im KWK-Betrieb zur Wärmelieferung genutzt werden. Diese soll über eine neue, etwa zwei Kilometer lange Verbindungsleitung von der Papierfabrik bis zur bestehenden Transportleitung von der MiRO-Raffinerie zum Heizkraftwerk West (HKW West) der Stadtwerke geleitet werden. Das HKW West am Rheinhafen dient als Verteilknotenpunkt für die ankommende Wärme aus allen drei Einspeisequellen. Von dort wird die Wärme in Form von heißem Wasser in das Fernwärmenetz der Stadt verteilt. Das beim Kunden genutzte und dabei abgekühlte Wasser wird über den so genannten Rücklauf wieder dem HKW zugeführt.

Mit dem Bau der neuen Verbindungsleitung beginnen die Stadtwerke im Spätjahr 2020 und möchten sie bis Ende 2022 fertigstellen.

Niedriger Primärenergiefaktor und geringer CO2-Ausstoß


Aufgrund ihrer Entstehung ist die Karlsruher Fernwärme eine äußerst klimaschonende und emissionsarme Heizenergie, die mit einem Primärenergiewert von nur 0,26 leicht alle Anforderungen der Energie-Einsparverordnung und der Wärmegesetze des Bundes und des Landes Baden-Württemberg erfüllt. So können Bauherren kostensparend planen und zum Beispiel auf eine thermische Solaranlage oder auf besonders aufwändige zusätzliche Wärmedämm-Maßnahmen verzichten. Die Karlsruher Fernwärme spielt auch beim spezifischen Feinstaub-, Kohlendioxid- und Stickoxidausstoß in der ersten Liga und schneidet hier deutlich besser ab als zum Beispiel Heizöl. Das verbessert die Luftqualität vor Ort deutlich.

Insgesamt ist der Karlsruher Fernwärme-Ausbau ein wichtiger Beitrag zur Energiewende und eines der größten Klimaschutz-Projekte in Baden-Württemberg. Nicht zuletzt dank der Fernwärme haben die Stadtwerke Karlsruhe im Jahr 2016 zum zweiten Mal den Umweltpreis des Landes Baden-Württemberg gewonnen.

Karlsruher Fernwärme boomt

Aktuell werden rund 40.000 Wohneinheiten und eine Großzahl von Gewerbeeinheiten in der Stadt mit dieser ganz besonderen Form der Wärme versorgt. Und in Zukunft werden es noch mehr: Seit einigen Jahren bauen die Stadtwerke ihr Fernwärmenetz in der Fächerstadt konsequent aus und schließen Zug um Zug neue Stadtteile an. Erstmals überwindet die Fernwärme aktuell auch die Stadtgrenze Richtung Süden – die neue Trasse von der Rheinstrandsiedlung über Forchheim bis zur neuen Stadtmitte Rheinstetten wird im Jahr 2021 fertig.

 

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