»Wir alle gestalten unsere
städtische Gemeinschaft.«

Jonas Nees ist Leiter des Kinderbüros der Karlsruher Sozial- und Jugendbehörde. Im Interview erläutert er, welche Angebote die Einrichtung Familien macht und mit welchen kreativen Ideen die Mitarbeiter*innen versuchen, ihre Leistungen vorzustellen und zu vernetzen.

Interview: Sigrid Frank-Eßlinger

Herr Nees, 2017 hat die Stadt Karlsruhe Familien befragt, wie sie in Karlsruhe leben. Welche Erkenntnisse haben Sie daraus gezogen?

Die Familien sind grundsätzlich sehr zufrieden mit der Stadt Karlsruhe als Lebensort. Das ist eine gute Grundlage für unsere Arbeit, deren Ziel es ist, präventive Angebote zu etablieren. Zugleich ist die Idee der familienfreundlichen Stadt natürlich eine dauerhafte Aufgabe, die immer wieder durch die Rahmenbedingungen verändert wird, und bei der man nicht nachlassen darf. Nach der Familienumfrage vor fünf Jahren haben wir ganz gezielt Angebote entwickelt. Und eine ganz entscheidende Frage dabei ist, wie wir die Familien mit unseren Angeboten am besten erreichen.

Es ist wichtig, die Beratung und Hilfe bekannt zu machen?

Wir haben stadtweit super Angebote für Familien. Aber gerade für Familien in Belastungssituation ist der Weg dorthin oft nicht einfach. In herausfordernden Situationen wie Geburt, Kita-Start oder Einschulung ist es wichtig, diesen Familien unsere Angebote möglichst früh bekannt und leicht zugänglich zu machen. Dazu gehört auch, dass die Kolleg*innen immer versuchen, ganzheitlich zu beraten. Sie betrachten die Familien nicht nur aus dem Blickwinkel ihres eigenen Angebots, sondern ermöglichen es, dass die verschiedenen Unterstützungsmöglichkeiten ineinandergreifen. Diese Netzwerkarbeit hilft den Familien im Endeffekt wesentlich besser, und in Karlsruhe sind wir mit dieser modernen und erfolgreichen Zusammenarbeit auf einem sehr guten Weg.

Haben Sie auch Probleme, Mitarbeiter*innen zu finden?

Ja, insbesondere die Betreuungseinrichtungen sind von den Herausforderungen am Arbeitsmarkt betroffen. Aber wir kommen in Karlsruhe aus einer relativ starken Situation und einer guten Vernetzung. Es gibt deshalb keinen Grund, in Panik zu verfallen, aber es ist wichtig, weiter dranzubleiben.

Erleben Sie Auswirkungen der Pandemie auf Familien?

Die Pandemie schafft sehr anstrengende, kritische Situationen und die Familien müssen auf die veränderten Bedingungen immer wieder neu reagieren. Das war und ist für alle eine große Herausforderung. Viele haben die innerfamiliären Umstrukturierungen alleine geschafft, andere brauchten unterschiedlich intensiv Hilfe und Begleitung. Unsere präventiven Systeme wie das Netzwerk Frühe Hilfen und die Schulsozialarbeit haben darauf sehr schnell reagiert und den Familien Angebote zur Begleitung und Unterstützung gemacht. Ich fürchte aber, dass wir in Zukunft immer wieder mit solchen Krisen umgehen müssen, schon wenn man nur mal aktuell an Krieg, Energieversorgung und Inflation denkt. Als Unterstützungssysteme müssen wir deshalb die Familien darin stärken, immer wieder mit solchen Krisen umzugehen und ihre Resilienz, also die Widerstandskraft insgesamt zu stärken.

»Die Pandemie und ihre Einschränkungen haben bei uns viele kreative Prozesse angeregt, und was sich als hilfreich erweist, behalten wir auch bei.«

Was tun Sie, um diese Widerstandskraft zu stärken?

Neben den eben angesprochenen äußeren Faktoren haben wir auch große Veränderungen innerhalb der Familien selbst. Es gibt heute nicht mehr »die« Familie, sondern sehr unterschiedliche Lebensmodelle in Bezug auf Partnerschaft, Elternschaft, Erwerbsarbeit und Kinderbetreuung. Bei uns hat die Pandemie ein bereits begonnenes Konzept beschleunigt, mit dem wir Familien sehr früh und niederschwellig erreichen wollen. Wir nennen es aufsuchende Familienarbeit und unsere Mitarbeiter*innen gehen dazu direkt dorthin, wo sich Familien aufhalten, zum Beispiel auf Spielplätze. Bei diesem so genannten »Spielplatz-Geplapper« kommen sie mit den Menschen ins Gespräch und können direkt einen Rat geben oder Hilfe anbieten, wenn sie Bedarf spüren. Und auch sonst haben die Covid-Einschränkungen bei uns viele kreative und erfolgreiche Ideen angestoßen. Im »Kinderbüro on air« bieten wir Kurse und Vorträge für Eltern nun auch online an, und zum Weltkindertagsfest haben wir bei »Karlsruhe spielt!« dezentral Straßen gesperrt und gemeinsames Spielen organisiert.

Geben Sie uns bitte noch einen Rat: Wenn Kinder oder eine Familie im Umfeld Probleme haben, wie reagiert man am besten?

Wenn man den Eindruck hat, dass das Kindeswohl gefährdet ist, sollte man das Jugendamt anrufen. Aber ich habe ein großes Vertrauen in soziale Netzwerke und nachbarschaftliche Unterstützung. In 90 Prozent aller Fälle ist es richtig, erstmal zu reden, hören, ob die Familie etwas braucht oder ob vielleicht schon das Gespräch hilfreich ist. Denn letztlich geht es um das Interesse an anderen Menschen und am Miteinander. Das steht immer im Mittelpunkt. Für mich ist es ein Schlüssel für das gute Aufwachsen von Kindern und eine gute Stadtgesellschaft. Um unsere städtische Gemeinschaft zu gestalten und mit Leben zu füllen, sind wir alle Akteur*innen.

Das Kinderbüro ist Anlaufstelle, berät und vermittelt weitere Angebote der Stadt Karlsruhe. 

Kontakt:
 Tel. 0721 133-5111
 kndrbrkrlsrhd
 karlsruhe.de/kinderbuero

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