Hafenrundgang

Eine Luftaufnahme des Hafens im Büro von Hafen­chefin Patricia Erb-Korn

Der Karlsruher Rheinhafen ist ein erfolgreiches Industrie- und Gewerbegebiet. Die Nähe zum Wasser und die besondere Atmosphäre dort locken Menschen in die Nischen zwischen Recyclingwirtschaft und Energiegewinnung.

Die historischen Werftgebäude und Speicher mit vorgelagerten Anlegestellen
Die historischen Werftgebäude und Speicher mit vorgelagerten Anlegestellen

Es ist Sonntagmorgen, der Karlsruher Rheinhafen ruht im Morgendunst. Es ist angenehm still; die MS Karlsruhe liegt gut vertäut am Ufer. Kein LKW donnert vorbei, keine Güterbahn, auch knallt kein Metall auf Metall.
Läuft man ein wenig herum, stellt man fest, dass es doch nicht so still ist. »Endspurt jetzt!« schallt es übers Wasser: Der Rudertrainer fordert seine Sportler*innen auf, sich noch einmal ordentlich in die Riemen zu legen. Die schlanken Boote eines der drei im Hafen ansässigen Rudersportvereine sausen durchs lange, gerade Hafenbecken, das ohne die alltägliche Betriebsamkeit eine super Trainingsstrecke abgibt – allerdings nur mit Sondergeneh-migung! Denn eigentlich dürfen Privatleute im Hafen nicht mit dem Boot fahren.
Mit ihren leuchtenden Trikotfarben setzen die Rudersportler*innen einen Akzent vor der historischen Kulisse der rund 120 Jahre alten Werfthäuser und dem Kornspeicher. Sie sind ganz oder teilweise aus dem rötlichen Sandstein errichtet, der so typisch ist für die Fächerstadt. Man sieht gleich: Als der Hafen Anfang des 20. Jahrhunderts entstand, nahm man die Funktionsgebäude ebenso wichtig wie Kirchen oder andere repräsentative Bauten der Innenstadt. Die beeindruckende Reihe entlang des zentralen Hafenbeckens steht heute unter Denkmalschutz. Das Besondere ist, dass die Hallen alle noch genutzt werden – im Getreidespeicher trocknet und lagert wie vorgesehen noch heute Getreide.

Kräne und Gleise für das Entladen und Transportieren umgeschlagener Güter
Kräne und Gleise für das Entladen und Transportieren umgeschlagener Güter
Der hoch aufragende Korn­speicher wurde nach Kriegszerstörungen wieder aufgebaut und dient noch heute seinem ursprünglichen Zweck.
Der hoch aufragende Korn­speicher wurde nach Kriegszerstörungen wieder aufgebaut und dient noch heute seinem ursprünglichen Zweck.

Beliebte Kulisse für Film- und Fotoaufnahmen

Lebendige Technik- und Industriegeschichte stellen ein beliebtes Fotomotiv dar. Der Rheinhafen dient auch immer wieder als Kulisse für Fernsehfilme. So erkennen Fans in Stuttgarter oder Mannheimer Tatort-Folgen gelegentlich ein Stück Karlsruher Rheinhafen. Auch beim Sonntagsspaziergang trifft man häufig Fotograf*innen, die ihre Modelle vor der Industriekulisse ablichten.
In zweiter Reihe hinter den Kai-Anlagen stehen bunt zusammengewürfelte Gebäude. Aus einem, das sehr lange nicht renoviert wurde, tönt es rhythmisch: Hier übt jemand Schlagzeug. Und je mehr es auf Mittag zugeht, desto mehr Menschen bevölkern den Hafen: Jogger traben vorbei, und Familien sind mit dem Rad unterwegs in Richtung Rheinufer. Ein Angler hofft am Hafenbecken auf einen Fang und plaudert heiter mit einem Freund. Eine Frau dreht eine Runde mit ihrem Hund.
Ganz anders ist allerdings die Atmosphäre an einem Werktag. Fußgänger*innen und Radfahrende müssen sich beeilen, wenn die vielen LKW mit Fracht entlang der Hafenbecken vorbeibrausen. Nicht mal ein Zebrastreifen ermöglicht das ungefährdete Kreuzen der Straße. An diesem Donnerstag steht ein Besuch im Handwerkerhof an. 1993 von der Stadt Karlsruhe, Volkswohnung und Handwerkskammer gegründet, bietet der Bau jungen Unternehmen Platz zum Wachsen. Die AHOI studios e. V. sind auch noch ganz neu: Erst seit es Corona gibt, führt Brigitte Reisz hier ihr Atelier. Die Initiatorin des Vereins kommt allerdings zur Zeit nicht her, um selbst künstlerisch tätig zu sein, vielmehr hat sie einen Ort geschaffen, an dem begabte Menschen mit Behinderungen sich künstlerisch finden und entwickeln können. Sie nennt die AHOI studios ein »Kollaborativ für Inklusion in der Kunst«. Es geht nicht um therapeutische Beschäftigung mit Kunst, sondern ums gemeinsame künstlerische Tun und um den Zugang zum Kunstmarkt. »Ich finde die Arbeiten teilweise so toll, manche der Künstler*innen hier sind aus meiner Sicht absolut sehenswert«, freut sich die Künstlerin über den Fortschritt der Menschen, mit denen sie arbeitet.

Brigitte Reisz von den AHOI studios mit Fabian Roth-Neda bei der Kunstproduktion
Brigitte Reisz von den AHOI studios mit Fabian Roth-Neda bei der Kunstproduktion
Im Handwerkerhof Karlsruhe haben junge Unter­nehmen und kulturelle Aktivitäten Raum zum Wachsen.
Im Handwerkerhof Karlsruhe haben junge Unter­nehmen und kulturelle Aktivitäten Raum zum Wachsen.
Larissa Schulze-Osthoff ist eine von fünf kreativ Tätigen, die die Räume des Studios derzeit zum Arbeiten nutzen.
Larissa Schulze-Osthoff ist eine von fünf kreativ Tätigen, die die Räume des Studios derzeit zum Arbeiten nutzen.
Gerahmte Bilder im Atelier
Gerahmte Bilder im Atelier

Ein Raum, in dem alle ernst genommen werden

Zum kreativen Tätigwerden gibt es Licht, Platz, Materialien und Unterstützung durch Brigitte Reisz. An vier halben Tagen pro Woche kommen derzeit fünf Menschen mit geistigen, körperlichen oder psychischen Beeinträchtigungen.
Allen gemeinsam ist, dass sie »unser Atelier als den Ort wahrnehmen, an dem man einfach sein kann. Und ernst genommen wird. Das ist wichtig«, erläutert Brigitte Reisz und fährt fort: »Ich sorge dafür, dass alle gut arbeiten können. Jede und jeder muss seinen oder ihren Raum finden. Dafür muss ich sehr präsent sein.«
Brigitte Reisz hat in Wien und Düsseldorf studiert. Im Anschluss hat sie in den USA in einem inklusiven Kunstprojekt gearbeitet und ein vergleichbares Atelier in Köln mit aufgebaut – Pionierarbeit, wie sie erzählt. Daher weiß sie, wie viel Arbeit dahintersteckt, ein gutes Netzwerk aufzubauen, neben der Finanzierung durch die Stadt Karlsruhe Projektmittel einzuwerben, Ausstellungen zu organisieren, Kunstwerke zu archivieren und weitere Angebote aufzubauen. »Ich würde gerne meine Erfahrungen weitergeben und hier in der Leitungsfunktion tatkräftige, geistesgegenwärtige und humorvolle Unterstützung haben«, blickt sie voraus.

Sonnenbad: schwimmen unter Palmen

Tritt man wieder auf die Straße, erwischt einen die industrielle Realität des Ortes gleich wieder. Und dennoch: Es gibt noch mehr Oasen im und am Rheinhafen. Zwischen dem Heizkraftwerk West und der Alb liegt das Karlsruher Sonnenbad. Das gepflegte Freiluftschwimmbad ist deutschlandweit – und darüber hinaus – bekannt, weil man (fast) rund ums Jahr dort im Außenbecken schwimmen kann. »Dank Fernwärme der Stadtwerke ist das Wasser um die 28 angenehme Grad warm«, erläutert Roland Hilner, Leiter des Sonnenbades, und schmunzelt: »Zum Anschwimmen im Februar kommt traditionell auch ein Gast aus den Niederlanden.«
Normalerweise sind Freibäder von Mai bis September geöffnet. Deshalb ist das 50-Meter-Becken im Schatten des Heizkraftwerks zwischen Februar und dem ersten Advent sportliche und soziale Heimat für eine große Zahl eingefleischter Freiluft-Schwimmfans. Viele von ihnen ziehen schon morgens ihre Bahnen.
Zu ihnen gehören auch Renate Breh und Gabriele Leyer. Die beiden sind seit den 1960er-Jahren befreundet. Seither kommen sie ins Sonnenbad, das zwischendurch auch mal Rheinhafenbad hieß. Warum das Sonnenbad? Gabriele Leyer war schwanger und sollte regelmäßig schwimmen, Renate Breh hatte bereits Kinder, von denen zwei mit Behinderung zur Welt gekommen waren. Schwimmen zu gehen, war für sie Gesundheitsförderung und Erholung. Und das hat sich bis heute nicht geändert. In allen Lebensphasen war das Sonnenbad der Ort, sich zu treffen und sich etwas Gutes zu tun.

Um die 28 Grad Wassertemperatur im Außenbecken auch im Winter sind der Fernwärme von den Stadtwerken zu verdanken.
Um die 28 Grad Wassertemperatur im Außenbecken auch im Winter sind der Fernwärme von den Stadtwerken zu verdanken.
Ein einsamer Kiosk ver­strömt ein bisschen Flair wie in den großen Hafenstädten.
Ein einsamer Kiosk ver­strömt ein bisschen Flair wie in den großen Hafenstädten.
Gleich nebenan befindet sich die Karlsruher Tafel e. V. in einem Industriegebäude.
Gleich nebenan befindet sich die Karlsruher Tafel e. V. in einem Industriegebäude.
Die Freundinnen Renate Breh und Gabriele Leyer kommen seit den 1960er-Jahren regelmäßig ins Sonnenbad.
Die Freundinnen Renate Breh und Gabriele Leyer kommen seit den 1960er-Jahren regelmäßig ins Sonnenbad.

Mit viel Engagement in die Zukunft

Als die Existenz des Sonnenbades in den 90er-Jahren auf dem Spiel stand, gründeten die beiden gemeinsam mit einer dritten Freundin den Freundeskreis Sonnenbad, um »ihr« Bad zu retten. Es galt, zögerliche Politiker zu überzeugen, und dazu war viel Beharrungsvermögen nötig. Aber es gelang, der Freundeskreis sammelte Geld, fand Sponsoren und Wege, das Bad zu vermarkten. Das überzeugte die Stadt, und das Sonnenbad konnte weiter geöffnet bleiben. Allerdings liegt das bis heute daran, dass der Freundeskreis überaus aktiv ist. »Wenn Personal ausfiel, haben wir auch Karten verkauft«, schmunzelt Renate Breh, die betont: »Es ist ein familiärer, freundlicher Ort.«

Doch was ist diese abgeschottete Welt des Hafens, die fünf Hafenbecken, die Gleise, Straßen, Zäune – wer verdient hier Geld? Warum ist es so schwer, einen Zugang zu finden, obwohl das Wasser glitzert und man so gerne mal ans Ufer gehen würde? Das kann Patricia Erb-Korn erklären. Die Juristin ist seit 2010 Chefin des Rheinhafens. Sie betont zunächst dessen Bedeutung: »Mit sieben Millionen Tonnen Umschlag pro Jahr sind wir kein ganz kleiner Hafen. In Baden-Württemberg stehen wir auf Platz zwei, deutschlandweit auf Platz fünf bis sieben – je nachdem, wie sich die Zahlen entwickeln.«
Manche schelten, sagt sie, im Hafen gäbe es zu viele müllverarbeitende Betriebe, der ganze Hafen sei voller Schrott. »Ich sehe das anders: Recycling ist ein wichtiger Beitrag zu Nachhaltigkeit. Und besonders das Recycling von Baustoffen ist ein Zukunftsthema. Altmetall ist ein wertvoller Rohstoff. Und wo außer hier im Hafen kann man in Karlsruhe eine derart lärm- und teilweise auch staubintensive Tätigkeit ausüben?«

Recyclingwirtschaft – zukunftsweisend, aber nicht unumstritten

Neu im Hafengelände ist beispielsweise in prominenter Lage die silbern glänzende Halle der Firma Blu. Sie reinigte den Aushub der Kombilösung, bevor der dann unter anderem per Schiff in die Niederlande geliefert wird, wo er der Landaufschüttung dient. Nicht ohne ist diese Vorgehensweise, sind doch die dort lagernden Stoffe wie teerhaltiger Asphalt – heute verboten – möglicherweise gesundheitsgefährdend, wie Kritiker betonen. Ein ausgeklügeltes Lüftungssystem soll dafür sorgen, dass nichts davon aus der Halle dringt. Patricia Erb-Korn nennt ein weiteres Beispiel für das Recycling wertvoller Rohstoffe: So genannte Flugasche, die bei der Kohleverbrennung im Kraftwerk anfällt, benötigt der Bausektor für Beton. Der Umschlag der wert-vollen Asche erfolge ebenfalls hier im großen Hafenbecken, erläutert sie. Vom Recycling-Riese Cronimet bis zu kleinen Spezialanbietern hat sich im Karlsruher Rheinhafen viel Expertise in Sachen Kreislaufwirtschaft angesiedelt.
Und das läuft: »Wirtschaftlich entwickelt sich der Hafen positiv, und darauf bin ich auch ein bisschen stolz«, sagt Patricia Erb-Korn und präzisiert: »Im vergangenen Jahr haben wir elf Millionen Euro Umsatz gemacht und 700.000 Euro Gewinn. Wir sind autark und können über unsere Investitionen entscheiden.« Das kann bedeuten, der MS Karlsruhe einen neuen, umweltfreundlicheren Antrieb zu gönnen. Oder die Infrastruktur der Hafenanlage gut in Schuss zu halten.
Die Zeichen stehen weiter auf Erfolg. Viele Unternehmen interessieren sich für die wertvollen Flächen am Wasser – mit Anbindung an Straße, Was-ser und Schiene. Trimodal nennt man diesen logistischen Luxus. Also gilt im Hafen, was auch in der Stadt gilt: Man bemüht sich um sinnvolle Verdichtung und effiziente Nutzung der vorhandenen Flächen. Für die Zukunft wünscht sich Patricia Erb-Korn einen Fortschritt bei der Digitalisierung der Prozesse. 5G in den Häfen wäre ein Sprung nach vorne zum Beispiel.

Patricia Erb-Korn leitet die Geschäfte des Rheinhafens.
Patricia Erb-Korn leitet die Geschäfte des Rheinhafens.
Der Rheinhafen entwickelt sich positiv.
Der Rheinhafen entwickelt sich positiv.
Wichtiger Wirtschaftsstandort, unter anderem im Bereich Recycling
Wichtiger Wirtschaftsstandort, unter anderem im Bereich Recycling
Drei Rudervereine nutzen die Hafenbecken für ihre Trainingsfahrten
Drei Rudervereine nutzen die Hafenbecken für ihre Trainingsfahrten
hier der Karlsruher Sportklub Alemannia
hier der Karlsruher Sportklub Alemannia
Illustration der MS Karlsruhe

MS Karlsruhe

Das beliebte Ausflugsschiff kann bis zu 600 Personen aufnehmen. Es ist seit 1989 im Einsatz und wurde von der Lux Werft Mondorf gebaut. Zwei MAN Dieselmotoren mit je 283 kW (385 PS) bringen es auf eine Geschwindigkeit von bis zu 25 km/h. Bei einer Länge von 45,85 m und einer Breite von 10,5 m beträgt die Wasserverdrängung 285 Kubikmeter, der Tiefgang misst 1,35 m.

Illustration eines Krans

Fracht

Was passiert genau im Karlsruher Hafen? 60 Prozent des Umschlags macht der Ölhafen, 40 Prozent der Rheinhafen.
Die rund 200 Betriebe dort sind überwiegend im Bereich Recycling, Metall, Stahl tätig. Ein wichtiges Gut ist die Kohle, die vor allem für das Rheinhafen-Dampfkraftwerk übers Wasser angeliefert wird.

Illustration einer Lok

Bahnnetz

Tuuuuut! Das Gleisnetz der Hafenbahn ist ganze 40 Kilo­meter lang. Das manuelle Stell­werk leistet noch treu seine Dienste. Im Jahr 2020 wurden rund 1,3 Millionen Tonnen Güter per Bahn bewegt.

Der Traum vom Wohnen am »Karlsruher Lido«

Kurzum: Anders als in anderen Binnenhäfen ist in Karlsruhe noch lange nicht Schluss. Im Gegenteil: Dank Hafensperrtor und Anpassungen von Schiffsformen und -typen lassen sich die Auswirkungen des Klimawandels in Karlsruhe gut managen. Die historischen Hafenbecken sind mit 100 Meter Brei-te groß genug auch für heutige Schiffstypen. Der Rheinhafen ist und bleibt ein Industriehafen, stellt Patricia Erb-Korn klar.

Der Traum vom Wohnen am Wasser wird sich in absehbarer Zeit für die Karlsruher*innen also nicht erfüllen. Denn Krach und Dreck im Hafen würden mit Wohnbebauung zu Nutzungskonflikten führen. Deshalb finden sich im 2016 veröffentlichten »Räumlichen Leitbild« der Stadt auch nur spärliche Hinweise zum Hafen. Das Rheinufer als Landschaftspark und Naherholungslandschaft spielt eine Rolle und der Logistikstandort über das fossile Zeitalter hinaus.
Unabhängig von den Realitäten lohnt ein Blick auf die Möglichkeiten, die sich aus der Idee vom Wohnen am Rhein ergeben. Schon in den 60er-Jahren entwickelte das Stadtplanungsamt Pläne für eine Rheinstadt. Knapp 30.000 Menschen sollten auf dem heutigen Naturschutzgebiet am Ufer des Knielinger Sees wohnen. Die auffälligen runden Türme sollten eine Verbindung zwischen der Stadt Karlsruhe und dem Rhein schaffen. Doch aus der Vision von Wohnen und Freizeit am »Karlsruher Lido« wurde nichts – die dafür benötigten finanziellen Mittel flossen in andere Großprojekte.

Visionen für urbanes Leben am Rheinhafen

Und auch wenn der Hafen bis auf Weiteres nicht für städtebauliche Entwicklung zur Verfügung stehen wird – man darf trotzdem träumen davon, was möglich wäre. Darüber spricht Prof. Markus Neppl mit Freude. Der Architekt hat am Karlsruher Institut für Technologie die Professur für Stadtquartiersplanung inne. Gemeinsam mit Gastprofessor Hisham Elkadi aus Großbritannien sowie unter anderem Prof. Anke Karmann-Woessner, Leiterin des Stadtplanungsamtes in Karlsruhe, hat er 2019/20 Master-Studierende bei der Entwicklung von Visionen für das Hafengelände unterstützt.
Bei seiner Gründung sei Karlsruhe nicht als Stadt am Rhein gedacht worden, erklärt Markus Neppl. Die großen Hafenflächen würden genutzt für Industrie und Gewerbe, während Wohnen, Forschung, Kultur und Bildung an anderer Stelle in Karlsruhe angesiedelt seien. »Es ging in unserem Projekt darum, über den Transformationsprozess nachzudenken, der einsetzen wird, wenn Hafen-flächen frei werden.« Als Beispiel nennt er den absehbaren Rückgang des Mineralölumschlags oder den Wegfall von Kohle als Energiequelle.

3D-Rendering eines Konzepts zur Stadterweiterung an den Rheinhafen
3D-Rendering eines Konzepts zur Stadterweiterung an den Rheinhafen
Ein stärkerer Nutzungsmix mit Wohnquartieren und verstärkter kultureller Produktion könnte die Identität des Hafens und der Stadt Karlsruhe auf­werten
Ein stärkerer Nutzungsmix mit Wohnquartieren und verstärkter kultureller Produktion könnte die Identität des Hafens und der Stadt Karlsruhe auf­werten
und zum Beispiel eine Seilbahn von der Stadt über den Hafen bis auf die andere Rheinseite führen
und zum Beispiel eine Seilbahn von der Stadt über den Hafen bis auf die andere Rheinseite führen

Die Arbeiten der Studierenden zeigen deutlich den Willen, den Rheinhafen an die Stadt anzubinden – mehr und besser, als es heute der Fall ist. Das könnte über Straßen und Radwege geschehen, aber auch über eine Seilbahn, die die Stadt mit dem Hafen und dem gegenüberliegenden Rheinufer und der Südpfalz verbinden könnte.
Eine studentische Herangehensweise an die städtebauliche Erschließung des Hafenareals war, die Hafenbecken sukzessive umzunutzen, also eine Gleichzeitigkeit von industriell-gewerblicher und urbaner Nutzung herzustellen.  An manchen Stellen sei eine Intensivierung der gewerblichen Ak-tivität möglich, während an anderer Stelle neue Nutzungsmöglichkeiten entstehen würden.
Eine Gruppe Studierender befasste sich mit dem kulturellen Erbe im Hafen. Dazu gehört auch die Thermoselect-Anlage zur Müllaufbereitung aus den 90er-Jahren. Das Gebäude nach Entwürfen von Mario Botta stehe ungenutzt und biete großes Potenzial für Sport- und Freizeitnutzung, oder für die Kreativwirtschaft.
Markus Neppl führt mit Blick auf die Zukunft aus, dass Karlsruhe großen Bedarf an Wohnbebauung hat und diese nicht durch die Erschließung neuer Stadtteile decken will. Der Hafen biete für die Zukunft Flächen, auf denen neue Quartiere wachsen könnten, wenn es in der Stadt selber keine Möglichkeit zur Nachverdichtung mehr gebe. »In dem Moment, wo wir über eine sehr intensive Innenentwicklung der Stadt sprechen, ist es die richtige Idee, den Hafen dann in die Zukunftsüberlegungen einzubeziehen.«

Der Sonntagsspaziergang endet auf einer Bank vorne an der Hafeneinfahrt – ein guter Ort, um den vorbeifahrenden Frachtschiffen nachzusehen und seinen Gedanken nachzuhängen. Ich komme gerne her, an diese Nahtstelle zwischen der Stadt und dem Fluss, der Waren und Ideen von Karlsruhe in die Welt trägt.

Illustration einer Fahne

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