Die Fächerstadt bietet viele interessante Arbeitsplätze, einige davon in höchster Höhe. Hier braucht es manchmal besonderen Mut, die anstehenden Aufgaben zu erledigen.

Seilkletterexperte Matthias Schmitt beim Sprung in einer Roteiche
Seilkletterexperte Matthias Schmitt beim Sprung in einer Roteiche

Mit Ehrfurcht: der Kletterer

Matthias Schmitt, gelernter Forstwirt mit spezialisierter Seilklettertechnik-Ausbildung, ist bereits seit 21 Jahren beim Gartenbauamt für die Verkehrssicherheit der Bäume der Stadt zuständig. Er und sein Team klettern in die Bäume, die nicht mit dem Hubsteiger zugängig sind, und das rund 550 Mal im Jahr. Kein Wunder, dass er körperlich fit und durchtrainiert ist. »Karlsruhe hat einen wunderbaren, wertvollen alten Baumbestand«, strahlt er. »Es ist ein erhabenes und ehrfürchtiges Gefühl, in so hohen Bäumen zu arbeiten, besonders da unsere Arbeit sehr nachhaltig und langlebig ist. Man sieht bei den zum Teil 200 Jahre alten Bäumen, was vor vielen Jahrzehnten am Baum gemacht wurde, und auch meine Pflege wird, so lange der Baum lebt, noch nachzuvollziehen sein.« Dass er seinen Beruf liebt, merkt man an dem Strahlen in seinen Augen, wenn er von besonderen Bäumen, zum Beispiel von der mächtigsten Ahornkrone Karlsruhes in Grünwinkel, erzählt. Natürlich gibt es in seinem Beruf auch schwierige Aufgaben, wie extreme Sturmschäden oder gebrochene Bäume unter Spannung. Hier ist es wichtig, vor dem Klettern eine Gefährdungsbeurteilung zu machen. Der richtige Einsatz der Ausrüstung und die Erfahrung des gut eingespielten Teams ebnen ihm hier den Weg für eine sichere Lösung. Sein Beruf beschert ihm aber auch besondere und schöne Erlebnisse. So hat er im Zoo einen roten Panda auf einem Baum eingefangen, denn nur er konnte mit dem tierischen Kletterkünstler mithalten.

»Man sieht bei den zum Teil 200 Jahre alten Bäumen, was vor vielen Jahrzehnten am Baum gemacht wurde, und auch meine Pflege wird, solange der Baum lebt, noch nachzuvollziehen sein.«


Matthias Schmitt, Forstwirt beim Gartenbauamt

Mit Kraft: der Fahnenwart

222 Sandsteinstufen muss Stefan Baumstark erklimmen, um die vier zehn Meter langen und drei Meter breiten Fahnen hoch ins Turmzimmer zu schleppen. Stefan Baumstark ist Diakon, und unter anderem Fahnenwart der St. Bernharduskirche am Durlacher Tor. Bei den kirchlichen Hochfesten wie Ostern und Pfingsten werden am 93 Meter hohen Glockenturm die gelb-weißen Fahnen gehisst. Mindestens vier Personen sind notwendig, um die schwierige Arbeit in luftiger Höhe zu bewältigen. Erst werden die Fahnenmasten aus den Fenstern des oberen Balkons in drei Himmelsrichtungen hinausgeschoben und fest verankert. Über dem Kirchenschiff, nach Osten wird wegen des Kirchendaches keine Fahne gehisst. An diesen Stangen wird der Fahnenstoff befestigt und mit einem Seil vom unteren Balkon aus gehisst. Die Fahnen dürfen nur bei schönem Wetter wehen, denn Sturm, Regen oder Schnee würden sie zu sehr beschweren, so dass die Sicherheit nicht mehr gewährleistet wäre.

»Eine spannende und aufregende Arbeit, die nicht zur alltäglichen Routine gehört. Besonders wenn die acht tonnenschweren Glocken läuten, dann bebt der ganze Turm ein wenig und es ist unglaublich laut. Und beschimpfen lassen muss man sich auch noch, die Turmfalken zetern jedes Mal lautstark, wenn die Fahnen gehisst werden«, so Baumstark. »Aber das ist alles nichts gegen früher: Meine Mutter, mittlerweile 90 Jahre alt, und ihr Bruder sind als Jugendliche mit Gitarren auf dem Rücken bis ganz hoch zur Kreuzblume geklettert – denn damals wurde noch ganz oben auf der Kirchturmspitze eine Fahne gehisst – und haben nach getaner Arbeit rechts und links auf der Kreuzblume gesessen und Lieder gesungen. Heute, ohne Sicherung, unvorstellbar.«

Zu den Fahnenmasten der St. Bernharduskirche sind es 222 Stufen
Zu den Fahnenmasten der St. Bernharduskirche sind es 222 Stufen

Mit Weitblick: der Windmüller

Aufbau von Tomasz Kulwikckis Arbeitsplatz in 162 m Höhe auf dem Energieberg im Rheinhafen
Aufbau von Tomasz Kulwikckis Arbeitsplatz in 162 m Höhe auf dem Energieberg im Rheinhafen

Tomasz Kulwicki ist für die Betriebsführung der Windkraftanlage der Stadtwerke auf dem Energieberg zuständig. Er ist Mitarbeiter der auf erneuerbare Energien spezialisierten Firma Altus AG mit Sitz in Karlsruhe.

Spektakulär war der Abbau der Altanlage und der Aufbau der neuen Windmühle im Jahr 2019. Der Turm der neuen Anlage ist 100 Meter hoch und steht auf der 62 Meter hohen, ehemaligen Mülldeponie im Rheinhafen – dem »Energieberg«. Ein wirklich hoher Arbeitsplatz. »Solange man nicht aus der Dachluke der Gondel herausschaut, muss man gar nicht schwindelfrei sein«, so Tomasz Kulwicki, »denn die Windmühle ist ein geschlossenes Gebäude. Der Aufzug fährt durch drei Ebenen im Turm hinauf zur Gondel und diese hat ein komplett geschlossenes Gehäuse, zwar in 100 Metern Höhe, aber das merkt man drinnen nicht.« Erst der Ausstieg aus der Luke auf das Dach der Gondel ist dann das besondere Erlebnis. Hier muss er den Windsensor und andere technische Geräte überprüfen. »Natürlich bin ich gesichert, so dass ich nicht von der Mühle geweht werde. Der Ausblick hier oben ist überwältigend. Ich war schon auf vielen Windkraftanlagen, aber die Aussicht hier in Karlsruhe, vom Odenwald über den Schwarzwald bis hin zu den Vogesen und
den Pfälzer Bergen ist schon besonders.«

Mit Verantwortung: der Aufsteiger

Philip Erb schwebt im Korb des Hubsteigers der Stadtwerke bis zu 33 Meter hoch über der Stadt. Klar, dass man hier keine Angst vor großen Höhen haben darf und schwindelfrei sein muss. Er und seine Kollegen sind Elektroniker oder Feinwerkmechaniker und gehören zur Abteilung Straßenbeleuchtung der Stadtwerke Karlsruhe. Von der Montage der Spannseilanlagen oberhalb befahrener Kreuzungen, über das Aufstellen von 16 Meter langen Laternenmasten bis hin zur Objektbeleuchtung von Gebäuden oder Kirchtürmen ist das Aufgabengebiet sehr vielfältig. »Die Mitarbeiter, die mit den Hubarbeitsbühnen arbeiten, müssen sehr verantwortungsbewwusst sein und sind speziell für diese schwierige Aufgabe geschult«, so Thomas Neidig, Leiter Bauprojekte Straßenbeleuchtung bei den Stadtwerken.

»Gerade bei der Arbeit an Spannseilanlagen in großen Höhen, über dem Verkehr oder an Oberleitungen der Straßenbahn, ist immer ein großes Gefahrenpotential vorhanden. Hier benötigt man langjährige Berufserfahrung und ein gut eingespieltes Team, das Hand in Hand zusammenarbeitet«, so Philip Erb. Aber es gibt auch immer schöne Erlebnisse bei der Arbeit: »Für kleine Kinder sind wir mit dem Hubsteiger wie ein Magnet, die bleiben stehen und winken zu uns rauf. Und so manch nettes und lustiges Erlebnis gibt es auch, wenn wir unerwartet an Fenstern vorbeischweben, wo keiner mit uns rechnet …«, schmunzelt er.

Philip Erb in der Hubartbeitsbühne über Durlach.
Philip Erb in der Hubartbeitsbühne über Durlach.

»Für kleine Kinder sind wir mit dem Hubsteiger wie ein Magnet, die bleiben stehen und winken zu uns rauf.«

Philip Erb

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