Das Wasserwerk Mörscher Wald

Nach vier Jahren Bauzeit geht das neue Wasserwerk Mörscher Wald der Stadtwerke Karlsruhe in Rheinstetten ans Netz. Das Jahrhundertprojekt sichert die zukünftige Trinkwasserversorgung der Stadt Karlsruhe sowie der Städte und Gemeinden in der Region.

Unser neues Wasserwerk für Karlsruhe

Trinkwasserversorgung für zukünftige Generationen sichern

Die Versorgung der Bevölkerung mit sauberem und qualitativ einwandfreiem Trinkwasser ist eine der wichtigsten Aufgaben der kommunalen Daseinsvorsorge. Durch die Inbetriebnahme des neuen Wasserwerkes Mörscher Wald wird zukünftig die Trinkwasserversorgung für über 300.000 Bürger*innen der Stadt Karlsruhe und für die angeschlossenen Städte, Gemeinden und Zweckverbände mit insgesamt weiteren 150.000 Menschen sichergestellt.

Bei allen Herausforderungen für die zukünftige Wasserversorgung steht der Klimawandel im Mittelpunkt. Für den Raum Karlsruhe geht man davon aus, dass sich die heißen Tage, an denen es tagsüber mindestens 30 Grad wird und nachts nicht unter 20 Grad abkühlt, bis zum Jahr 2040 verdoppeln werden. Das wird sich auf die Nachfrage nach Trinkwasser auswirken. Für die Stadtwerke Karlsruhe bedeutet dies, Vorsorge zu treffen, damit es in solchen Zeiten nicht zu Engpässen in der Trinkwasserversorgung kommt. Ob an Perioden mit Spitzenbedarf, bei Ausfällen von Wasserwerken oder bei erhöhtem Wasserbedarf durch klimatisch bedingte Veränderungen: Die Trinkwasserversorgung muss jederzeit gesichert sein.

Weiterlesen: Das neue Wasserwerk Mörscher Wald als Standbein von Dreien

Mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe als höhere Wasserbehörde vereinbarten die Stadtwerke basierend auf einer Wasserbedarfsprognose, dass der zukünftige Tagesbedarf mit den drei Wasserwerken Mörscher Wald, Hardtwald und Rheinwald als gleichwertige Standbeine mit einer täglichen Förderkapazität von je maximal 60.000 m³ pro Wasserwerk sichergestellt werden soll.

Für die zukünftigen Aktivitäten der Stadtwerke bedeutet dies, dass sie nach der Neuerteilung des Wasserechtes im Jahr 2027 die Aufgabe haben, die Aufbereitungskapazität im Wasserwerk Hardtwald anzupassen.

Die dort erforderliche Kapazitätserhöhung von etwa 50 Prozent wird nach derzeitigen ersten Planungen mit einer Erweiterung der Aufbereitung und dem Umbau der Netzförderung möglich sein. Das Wasserwerk Rheinwald erfüllt bereits die Kapazität der zukünftigen Anforderungen und muss nicht umgebaut oder erweitert werden. Nach diesem Versorgungskonzept des Regierungspräsidiums und der Stadtwerke stehen dann drei leistungsfähige Wasserwerke zur Verfügung, von denen jeweils zwei den maximalen zukünftigen Tagesbedarf sicherstellen können.

Modernste Technik im neue Werk

Insbesondere die Aufbereitungstechnik des neuen Wasserwerks ist deutlich leistungsfähiger und an modernste Standards angepasst. Das schafft Versorgungssicherheit für die kommenden drei Jahrzehnte. Mit der neuen Anlage des Wasserwerkes können - statt bisher 24 Millionen Liter im alten Wasserwerk nun 60 Millionen Liter pro Tag aufbereitet werden. In den zukünftig heißeren Sommern gehen die Stadtwerke davon aus, dass es zu Spitzenabgabewerten von bis zu 120 Millionen Litern pro Tag kommen kann.

Durch die Erhöhung der Kapazität im neuen Wasserwerk und im Zusammenschluss mit den drei weiteren Wasserwerken der Stadtwerke steht mit dem Neubau nun eine maximale Aufbereitungsmenge von 160 Millionen Litern pro Tag zur Verfügung. „Wir haben jetzt den notwendigen Puffer, um auch bei Revisions- und Entstörungsarbeiten den anfallenden Bedarf sicher abdecken zu können“, so Dr. Heil.

Weiterlesen: Zeit- und Kostenplan beim Neubau eingehalten & Bautagebuch

2015 fiel die Entscheidung zum Neubau. Aufgrund des geplanten finanziellen Volumens von über 38 Millionen Euro Gesamtkosten, bedurfte es einer europaweiten Ausschreibung. Generalplaner des Projektes wurde die Arbeitsgemeinschaft Holinger/Dahlem. Die Umsetzung des Projektes startete 2016 zusammen mit der Neubeantragung des Wasserrechtes.

Bereits im Januar 2018 konnte mit der naturschutzverträglichen Vorbereitung des Baugeländes begonnen werden. Der Aushub startete 2018. Die Bauaufsicht und -betreuung übernahm die Baubehörde der Großen Kreisstadt Rheinstetten. Einen großen Teil des Projektes wickelte ein 30-köpfiges Team der Stadtwerke in Eigenleistung ab. Das Projekt wurde innerhalb des vorgesehenen Zeitplans und im Kostenrahmen umgesetzt.

Nachhaltigkeit.

Grundwasserentnahme im Einklang mit der Natur

Neben der Versorgungssicherheit der Bevölkerung mit einwandfreiem Trinkwasser, steht bei der Wasserversorgung die Nachhaltigkeit an vorderster Stelle. Die Karlsruher Wasserwerke entnehmen nie mehr Grundwasser, als durch die Niederschläge natürlicherweise jährlich neu entsteht. Selbst in trockenen Jahren wird immer viel mehr Grundwasser aus Niederschlägen neu gebildet, als entnommen wird. Nach derzeitigen Prognosen wird es auch in den kommenden Jahrzehnten, trotz Klimawandel hier nicht zu Engpässen kommen.

Die Grundwasserentnahme erfolgt also im Einklang mit der Natur. Wasser ist ein Naturprodukt, und eine gesunde Umwelt ist maßgebliche Voraussetzung für langfristig sauberes und gesundes Trinkwasser.

Klimaneutralität.

Klimaneutralität: fest etabliertes Unternehmensziel

Auch beim Bau des Wasserwerkes wurden Klimaschutzaspekte berücksichtigt. Ein Baustein zur Eigenversorgung mit regenerativem Strom ist die auf dem gesamten Dach installierte Photovoltaik-Anlage, die in Kombination mit einer Dachbegrünung aufgebaut wurde: Sie versorgt zukünftig einen Teil des Wasserwerkes mit Strom.

Wir gehen den Weg einer klimaneutralen Förderung und Verteilung von Trinkwasser und setzen uns für dessen Schutz und nachhaltigen Konsum ein. 2018 haben die Stadtwerke als erster Wasserversorger in Deutschland die Trinkwasserförderung und –verteilung vollständig klimaneutral gestaltet und gelten seitdem als bundesweites Vorbild. Die komplette Wasserversorgung von der Grundwasserförderung bis zur Abgabe des Trinkwassers an die Kund*innen kommt ganz ohne schädliche Treibhausgas-Emissionen aus.

Wasserqualität.

Der Schatz aus der Tiefe

Die Qualität des Karlsruher Trinkwassers profitiert von der Lage der Brunnen in ausgedehnten Waldgebieten. Es hat seinen natürlichen, mineralischen Ursprung in der geologischen Beschaffenheit des Oberrheingrabens. Dort befinden sich in unterirdischen Schichten die Wasserressourcen der Stadt und werden immer wieder vom Regen gespeist.

Das Einzugsgebiet liegt in großen Wasserschutzgebieten, in denen das Grundwasser vor negativen Beeinträchtigung geschützt wird.

Ein Ort der Bildung und Forschung

Auf dem Gelände des Wasserwerks befindet sich eine großtechnische Versuchsanlage. Zukünftig forschen die Stadtwerke dort in Kooperation mit der Hochschule Karlsruhe und dem Technologiezentrum Wasser (TZW) an den Herausforderungen der Trinkwasseraufbereitung der Zukunft.

Darüber hinaus bauten die Stadtwerke, in Kooperation mit der Fakultät für Informationsmanagement und Medien der Hochschule Karlsruhe, ein Besucher-Informationszentrum auf. Ziel ist es, anhand von modernsten Methoden, Wissen und Wertschätzung rund um das Thema Trinkwasser zu vermitteln. Eine Vielzahl von Studierenden brachten hierfür ihre Ideen ein.

In den extra eingerichteten beiden Räumen geben 14 Medienstationen Auskunft über die verschiedenen Aspekte des Wassers. Sie sollen Schulklassen und Besuchergruppen mit Texten, Bildern, Filmen und interaktiven Elementen geografische Besonderheiten des Oberrheingrabens, die Wasserschutzgebiete und Fragen, wie jeder seinen Beitrag zum Trinkwasserschutz leisten kann, was virtuelles Wasser bedeutet, bis hin zu Klimawandel und dem Menschenrecht auf Wasser erläutern.

Ein besonderes Erlebnis ist eine Soundinstallation im Bereich des Foyers und ein großflächiges, multimediales Projection Mapping in der Netzpumpenhalle.

Das Werk in Zahlen

Bodenaushub

  • Bodenaushub: 30.000 (entspricht 2.100 LKW-Ladungen)
  • Aushubmaterial wird für die Verfüllung des alten Werks nach dessen Abriss wieder verwendet
  • Würde der gesamte Aushub auf LKWs hintereinander stehen, entspräche dies einer Strecke von 25 km

Anlagentechnische Ausrüstung

  • für die anlagentechnischen Ausrüstung wurden innerhalb des Gebäudes 1,5 km Rohrleitungen verbaut. Insgesamt 256 Armaturen steuern und regeln den Wasserfluss.
  • 4 leistungsfähige Netzpumpen mit einer Leistung zwischen 800 und 2.000 Kubikmetern pro Stunde sorgen für die Einspeisung des Trinkwassers ins Verteilungsnetz.
  • Rund 4,3 Millionen Euro kostet dieser Teil der Anlagentechnik.

Rohbau

  • 1.400 t Stahl und 8.000 t Beton verbaut
  • Zur Verdeutlichung: Damit könnte man 3.600 Fertiggaragen bauen. Aneinandergereiht ergäbe dies eine Garagenfront, die einer Strecke vom Europabad bis zur französischen Grenze bei Lauterbourg entspricht.
  • Eindrucksvoll ist auch die Schalungsfläche von 20.000 m², die zum Betonieren notwendig war. Diese entspricht der Fläche von fast 3 Fußballfeldern.
  • 10,3 Millionen Euro kostete der Rohbau.

Elektrotechnik und Digitalisierung

  • 4,2 Millionen Euro investierten die Stadtwerke in die Elektrotechnik und Digitalisierung des Werkes.
  • Dabei wurden insgesamt 100 km Stromversorgungsleitungen und Steuerkabel verlegt sowie 120 Schaltschränke gebaut.

Trinkwasser-Ausstellung

Weiter sind geografische Besonderheiten des Oberrheingrabens, die Wasserschutzgebiete bis hin zu Fragen, wie jeder von uns seinen Beitrag zum Trinkwasserschutz leisten kann oder was virtuelles Wasser bedeutet, sowie globale Themen bis hin zu Klimawandel und Menschenrecht auf Wasser Themen der Ausstellung.
Ein besonderes Erlebnis sind darüber hinaus extra für die Besucherräume im Wasserwerk entstandene Kunstwerke: eine Soundinstallation im Bereich des Foyers begrüßt die Besucher und stimmt sie akustisch ein. Ein großflächiges, multimediales Projection Mapping in der Netzpumpenhalle bildet das spektakuläre Finale des Besuchs.

Das neue, nachhaltige Wasserwerk ist in den umgebenden Naturraum eingebettet. Die Architektur lehnt sich konzeptuell an die Form eines natürlichen Hügels flach herausragenden Felsgesteins an. Die Besucherräume nehmen diese Gesamtgestaltung auf.

In den extra eingerichteten Räumen geben 14 Themenstationen Auskunft über verschiedenste Aspekte des Wassers Auskunft. Diese Medienstationen erläutern über Texte, Bilder, Filme und interaktive Stationen verschiedene Aspekte der Trinkwassergewinnung und Qualitätssicherung am Beispiel von Karlsruhe.

Ihr Besuch im Wasserwerk Mörscher Wald

Für Gruppen (ab 9 Personen) ist der Besuch der Ausstellungsräume mit Führung durch das Wasserwerk nach Vereinbarung möglich. Senden Sie uns gerne eine Anfrage mit Ihren Terminvorstellungen über das Kontaktformular. Wir melden uns dann bei Ihnen.


Für einzelne Besucher werden regelmäßig Termine zur Besichtigung angeboten. Bitte melden Sie sich frühzeitig über das Kontaktformular an, es stehen nur begrenzte Plätze zur Verfügung. Der Eintritt ist frei.

Kommende Termine

  • Freitag, 30.09.2022, 16 Uhr  ausgebucht
  • Freitag, 28.10.2022, 16 Uhr
  • Freitag, 25.11.2022, 16 Uhr

Aktuelle Reglung zur Pandemieprävention

Bitte informieren Sie sich auf dieser Webpage über gegebenenfalls kurzfristig geltende Reglungen zur Pandemieprävention am Tag Ihres Besuchs.
Derzeit keine Beschränkungen.

Anfahrt zum Wasserwerk Mörscher Wald

Die Anfahrt per Auto, Fahrrad oder S-Bahn ist selbst zu organisieren. Das Werk ist auf Google Maps gut zu finden.
Mit der S-Bahn: Nach Rheinstetten-Forchheim-Silberstreifen (mit S7 oder S8) und das letzte Stück durch den Wald zu Fuß. Auch diese Möglichkeit ist per Google Maps einfach zu finden.

Historie

Karlsruher Wasserwerke – Die Geschichte einer modernen Trinkwasserversorgung

Die Notwendigkeit des strategischen und zielgerichteten Ausbaus eines zentralen Trinkwassernetzes an Stelle von wenigen Lauf- und Marktbrunnen auf der Straße, wurde mit dem enormen Wachstum der Stadt Karlsruhe im 19. Jahrhundert immer deutlicher. Nach Plänen des Baurats Robert Gerwig begann man daher 1872 mit dem Bau des ersten Wasserwerks im Durlacher Wald. Karlsruhe zählte zu diesem Zeitpunkt bereits 40.000 Bürger*innen. Dieses erste Wasserwerk der Neuzeit ist inzwischen fast 150 Jahre alt.

Im Mörscher Wald ging Anfang der 1950er Jahre ein weiteres Wasserwerk in Betrieb. Das heutige „alte“ Wasserwerk Mörscher Wald. Es befindet sich in unmittelbarer Nähe des neuen Wasserwerks. Wenige Jahre später, in den Jahren 1965 und 1977, folgten, aufgrund des weiteren Wachstums der Stadt und der damit verbundenen stark erhöhten Nachfrage nach Trinkwasser, die Wasserwerke Hardtwald und Rheinwald.

Mehr zur Historie der Karlsruher Trinkwasserversorgung erfahren Sie in unserem Wasser- und Brunnenmuseum, es befindet sich im Wasserwerk Durlacher Wald.

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