Kälte aus Fernwärme
|Innovative Klimaanlage für Karlsruher Bürogebäude

„Kälte aus Wärme“ – das klingt zunächst wie ein Widerspruch. In Wahrheit steckt dahinter ein innovatives Konzept zur Gebäudekühlung mithilfe von Fernwärme. Die Stadtwerke Karlsruhe haben im Sommer große Wärmemengen aus den Produktionsprozessen der Mineralölraffinerie Oberrhein zur Verfügung, die dort CO2-arm als Niedertemperatur-Abwärme entstehen. Sie können nun teilweise zur Gebäudekühlung genutzt werden.

Zwei neue Gebäude mit Eigentumswohnungen, Büroflächen und Arztpraxen in der Karlsruher Südweststadt kühlen die Stadtwerke Karlsruhe CO2-arm und umweltschonend überwiegend mit Fernwärme. Dabei wurde für die Kälteversorgung eine Kombination aus fernwärmebetriebener Absorptionskälte und konventioneller Kompressionskälte entwickelt. Die Technik ist zwar schon länger bekannt, wurde nun aber weiterentwickelt. Bundesweit gibt es bisher nur wenige der innovativen Kälteanlagen. In Karlsruhe sorgt nun eine der größten an heißen Sommertagen für angenehme Temperaturen in Büros, Praxen und Wohnungen.

Ideale Kältetechnik für den Einsatz mitten in der Stadt
Im SYNUS-Gebäude in der Gartenstraße produzieren gleich drei Absorptions-Anlagen Kälte aus Wärme für die beiden großen Gebäude. Die Anlage zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass die Rückkühlgeräte der Absorptionsanlage nicht wie bisher üblich mit Wasser besprüht, sondern „trocken“ gefahren werden. Das hat deutliche Vorteile gegenüber der Nasskühlung: Kein Wasserbedarf, keine Schwadenbildung, die Kühler sind leichter, leiser und niedriger, so dass man sie auf dem Dach des Gebäudes installieren konnte. Die neue Kältetechnik ist also ideal für den Einsatz mitten in der Stadt. Damit kann man Gebäude auch an sehr heißen Sommertagen mit Temperaturen über 30 °C kühlen, an denen herkömmliche Absorptionsanlagen nur mit Nasskühltürmen funktionieren. Das Projekt ist auch für Forscher hochinteressant und wird von der Technischen Universität Berlin wissenschaftlich begleitet. Die Stadtwerke Karlsruhe haben die Anlage konzipiert und betreiben sie als Contracting-Projekt.

Neben der Pilotanlage im SYNUS-Gebäude betreiben die Stadtwerke in Karlsruhe seit einigen Jahren eine herkömmliche Absorptions-Kälteanlage im Gebäude des Landratsamtes an der Badenwerkstraße und eine hybrid gekühlte Anlage in der Zentrale des BGV - Badische Versicherungen an der Durlacher Allee.

Vorteile von Absorptions-Kälteanlagen mit Fernwärmenutzung

  • geringerer Stromverbrauch im Vergleich zu klassischen Kälteanlagen
  • Nutzung von Industrieabwärme, daher deutlich weniger CO2-Ausstoß und damit klimafreundlicher
  • Nutzung von Wärmemengen, die vorhanden sind, aber im Sommer normalerweise nicht benötigt werden
  • geringer Wartungsaufwand durch wenig bewegte Bauteile
  • hohe Zuverlässigkeit
  • geringe Betriebskosten
  • Verwendung von umweltfreundlichen Kältemitteln
 

Anwendungsbeispiel im SYNUS-Gebäude:

 

Die Bilder zeigen die Kälteanlagen sowie die Rückkühler auf dem Dach.

  • Inbetriebnahmejahr: 2014
  • Kälteleistung: 480 kW Absorption, 1.100 kW Kompression
  • Kosten: 1,8 Mio. €
  • Fördermittel: 150.000 € vom Umweltministerium Baden-Württemberg

Weitere Infos

Datenschutzhinweis

Diese Webseite nutzt externe Komponenten (Schriftarten, Karten, Videos, Analysetools). Mit Ihrer Zustimmung sorgen Sie dafür, dass alle Inhalte korrekt dargestellt werden und helfen uns dabei, unser Internetangebot stetig zu optimieren.