Endlich im Hotel angekommen. Zeit zum Frischmachen! Die Zahnbürste steckt schon im Mund, Sie drehen den Wasserhahn auf – und schon plätschert der Gedanke durch den Kopf: „Ist das eigentlich Trinkwasser?“ Doch bevor Sie in Ihrem nächsten Urlaub gleich in den Supermarkt spurten, um eine Wochenration an Wasserflaschen zu kaufen, erst mal die gute Nachricht: In den meisten Ländern Europas ist das Leitungswasser von hoher Qualität und in der Regel auch zum Trinken geeignet. Trotzdem gibt es je nach Land einige Besonderheiten, die Sie kennen sollten. Hier ein Überblick für beliebte Urlaubsländer:
| Land | Leitungswasser zum Trinken geeignet? | Anmerkungen |
|---|---|---|
| Frankreich | ✅ Ja | Zur Desinfektion wird das Wasser gechlort – gesundheitlich unbedenklich, aber geschmacklich wahrnehmbar. |
| Italien | ✅ Ja | Gechlort und von guter Qualität, vor allem in Norditalien wie am Gardasee. In Süditalien sind die Leitungen oft veraltet, was sich auch auf die Wasserqualität auswirkt. Auf Sizilien haben viele Häuser eigene Wassertanks und bei Hitze vermehren sich Keime schnell. Hier besser auf Flaschenwasser setzen – Zähneputzen ist okay. |
| Spanien (Festland) | ✅ Ja | Regional unterschiedlich; im Norden meist gut, im Süden (z.B. Andalusien) oft stark gechlort oder kalkhaltig – trinkbar, aber Geschmack gewöhnungsbedürftig. Auf den Kanaren: entsalztes Meerwasser, das keine Mineralien mehr enthält. |
| Spanien (Mallorca) | ⚠️ Bedingt | Offiziell trinkbar, aber sehr kalkhaltig und gechlort. In einigen Gemeinden (u.a. Ariany, Felanitx, Manacor, Santa Margalida, Santanyí) stark nitrathaltig und zum Trinken ungeeignet. Vorsicht bei Häusern mit Zisternen: Hier kann das Wasser ebenfalls belastet sein. |
| Portugal | ✅ Ja | Lissabon und Porto: sehr gut; Algarve/Alentejo: teils stärker gechlort, besonders im Sommer. |
| Kroatien | ✅ Ja | Hohe Qualität und strenge Standards. In manchen Regionen ist das Wasser etwas härter, beispielsweise in Zagreb. In vielen Städten gibt es Wasserspender mit kostenlosem Trinkwasser. |
| Türkei | ❌ Nein | Klare Empfehlung: nur abgepacktes Mineralwasser trinken und auch zum Zähneputzen lieber zu stillem Wasser aus der Flasche greifen. |
Ist Chlor im Leitungswasser gefährlich?

Nicht in den Mengen, die in europäischen Leitungswässern vorkommen. Wie viel Chlor genau eingesetzt wird, regeln die Mitgliedstaaten selbst – je nachdem, wie modern die Wasserleitungen sind, welche Temperaturen herrschen und wie die Qualität der Quellen ist. Wer den „Schwimmbadgeschmack“ trotzdem nicht mag: Das Wasser kann auch einfach in einer offenen Karaffe stehen gelassen werden. Chlor ist ein Gas und verflüchtigt sich innerhalb von einigen Stunden. Schneller geht es mit speziellen Chlor-Wasserfiltern, z.B. mit Aktivkohle.
Ist Leitungswasser abkochen sinnvoll?
Laut WHO werden Bakterien, Viren und andere Krankheitserreger im Wasser bereits unter 100 °C zuverlässig abgetötet – wer das Wasser also ein paar Minuten kochen lässt, ist also auf der sicheren Seite. Sinnvoll ist das vor allem dann, wenn das Wasser mikrobiologisch belastet sein könnte. Ein praktischer Nebeneffekt ist, dass sich durch das Kochen auch ein Teil des Chlors verflüchtigt.
Was Abkochen nicht leistet: Es entfernt weder Kalk noch chemische Rückstände oder Schwermetalle. Das kalkreiche Mallorca-Leitungswasser wird also durch Abkochen nicht weicher. Und in der Türkei, wo gelegentlich auch chemische Belastungen eine Rolle spielen können, ist Leitungswasser abkochen schlicht keine ausreichende Lösung.
In Deutschland übrigens ist Abkochen unnötig. Das Trinkwasser hierzulande gehört zu den am strengsten kontrollierten Lebensmitteln überhaupt. Nur bei Säuglingsnahrung wird empfohlen, das Leitungswasser kurz aufzukochen, um Restrisiken durch beispielsweise Keime am Wasserhahn zu minimieren.
Fazit: Leitungswasser in Europa ist in der Regel unbedenklich
In den meisten europäischen Urlaubsländern können Sie das Leitungswasser bedenkenlos trinken, auch wenn es regional Ausnahmen gibt, etwa in Gebieten mit maroder Infrastruktur oder alten Hausleitungen. Der Chlorgeschmack, der manchem unangenehm aufstößt, ist gesundheitlich unbedenklich. Die einzige klare Ausnahme in dieser Liste ist die Türkei: Dort lieber durchgehend zur Flasche greifen, auch beim Zähneputzen. Im Zweifel lohnt es sich, die Einheimischen zu beobachten oder einfach kurz an der Hotelrezeption nachzufragen – die kennen die lokale Situation am besten.
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