Wer schon einmal in Frankreich oder Spanien essen war, kennt das: Eine Karaffe Wasser kommt oft fast automatisch auf den Tisch, ganz ohne Extrakosten. In Deutschland hingegen wird Leitungswasser häufig abgerechnet oder neben dem teuren Mineralwasser gar nicht erst angeboten. Viele von uns können das nicht nachvollziehen und fragen sich: Ist das überhaupt erlaubt? Wir zeigen Ihnen, wie die Rechtslage in Deutschland ist – und wie es in anderen europäischen Ländern aussieht.
Gibt es in Deutschland ein Recht auf Leitungswasser im Restaurant?
Seit Januar 2023 gilt die EU-Trinkwasserrichtlinie (2020/2184) vollständig in allen Mitgliedstaaten. Sie regt Restaurants an, Leitungswasser kostenlos oder gegen eine geringe Servicegebühr anzubieten. Verpflichtend ist das aber nicht.
Aber warum muss in manch anderen europäischen Ländern Leitungswasser im Restaurant kostenlos sein? Die Antwort: Weil diese Länder auf nationaler Ebene selbst aktiv geworden sind – Frankreich sogar schon seit 1967, also Jahrzehnte vor der EU-Richtlinie. Deutschland hat bislang keinen vergleichbaren Schritt unternommen. Deshalb dürfen Restaurants hierzulande Leitungswasser verweigern oder dafür einen selbst gewählten Preis verlangen. Es gibt nämlich auch keine gesetzlich geregelte Richtlinie, was Leitungswasser im Restaurant kosten darf. In der Praxis werden meist zwischen 50 Cent und 2 Euro pro Glas berechnet.
Was in anderen Ländern gilt
Der Blick ins europäische Ausland zeigt: Die Regelungen unterscheiden sich erheblich.
- Frankreich: Wer ein vollständiges Menü bestellt, hat Anspruch auf die berühmte „carafe d’eau“ – eine Karaffe mit frischem Trinkwasser, die im Menüpreis enthalten ist.
- Spanien: Um den Verbrauch von Einwegplastik zu senken, gilt in Spanien seit 2022: Alle Gastronomiebetriebe müssen kostenloses Leitungswasser anbieten. Also ruhig nach „agua del grifo“ fragen.
- Portugal: Restaurants dürfen für Leitungswasser kein Entgelt verlangen und müssen es in wiederverwendbaren Gläsern bereitstellen.
- Italien: Auch wenn Karaffen auf vielen Tischen stehen, gibt es kein Recht auf kostenloses Leitungswasser. Ein Gerichtsurteil von 2026 bestätigte: Restaurants und Hotels sind nicht verpflichtet, es auszuschenken.
- Vereinigtes Königreich: Alle Betriebe, die eine Lizenz zum Ausschank von Alkohol haben, sind gesetzlich verpflichtet, auf Anfrage kostenloses Trinkwasser bereitzustellen.
- Österreich: Keine gesetzliche Pflicht, aber eine lange Tradition: In Österreich gehörte ein Glas Wasser zu Kaffee oder Wein lange selbstverständlich dazu. Inzwischen verlangen jedoch immer mehr Gastronomiebetriebe auch dafür Geld.
- Schweiz: Keine landesweite Regelung, aber im Tessin haben Restaurantbesucher Anspruch auf kostenloses Leitungswasser zur Hauptmahlzeit. So steht es im kantonalen Gastgewerbegesetz.

Fazit: Leitungswasser in Deutschland darf Geld kosten
Manche europäische Länder schreiben per Gesetz vor, dass kostenloses Leitungswasser ausgeschenkt werden muss – in anderen Ländern gehört es einfach traditionell dazu. In Deutschland ist kein Gastronomiebetrieb dazu verpflichtet, kostenloses Leitungswasser auszuschenken! Einige Gastronomiebetriebe stellen Leitungswasser auf Nachfrage aber trotzdem kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr bereit. Freundlich fragen öffnet manchmal ungeahnte Türen.
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