Quartiersporträt Hohenwettersbach
Eine Ortserkundung mit Klaus Elliger

Eigentlich haben meine Frau und ich in den 90er-Jahren nur ein Baugrundstück gesucht. Was wir hier gefunden haben, lieben wir heute sehr«, sagt Klaus Elliger, 67, Architekt und Stadtplaner. Es hat ihn zum Studieren aus Münster in den Südwesten gezogen und er ist hier heimisch geworden. Mit drei weiteren Paaren planten die Elligers ein gemeinsames Bauprojekt in Hohenwettersbach. »Ein Bullerbü, das aber zu Beginn von einigen kritisch beäugt wurde«, schmunzelt Klaus Elliger. Die holzverkleidete Häuserreihe mit viel üppigem Grün wirkt friedlich und einladend. Und in der Tat – Hohenwettersbach, 1972 nach Karlsruhe eingemeindet, ist ein angenehmer Ort zum Leben. In die Stadt ist es nicht weit und man kommt auch fix in den Wald und in die Natur.
Das gute Leben gab es hier aber nicht immer. Der Ort ist aus dem Gutshof des Freiherren Schilling von Cannstatt
aus dem frühen 18. Jahrhundert entstanden, der heute zu Wohnungen umgebaut ist. Die Tagelöhner, die auf dem Gut
schufteten, hatten ein karges Leben. Das kleine Wohnhaus in der Ortsmitte, das 35 Quadratmeter Wohnfläche hat,
wurde damals von zwei Familien genutzt! In der Badischen Revolution machten die Tagelöhner ihrem Unmut Luft und bekamen Gärten zur Selbstversorgung zur Verfügung gestellt. Eine Straße ist noch immer danach benannt:
die Tagelöhnergärten.
Heute ein Kulturdenkmal: Das ehemalige Tagelöhnerhaus lässt erahnen, wie beengt die einfachen Arbeiter seinerzeit lebten.

Die 3.000 Einwohner*innen sind ganz überwiegend in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in die neu ausgewiesenen Baugebiete zugezogen. »Deshalb gibt es hier auch ein reges Vereinsleben«, erklärt Klaus Ellinger, der selbst an der Organisation von Kleinkunstabenden in der evangelischen Kirche beteiligt ist – ein fast immer ausverkauftes, populäres Format im Ort, das auch ein bisschen als Ersatz für eine Dorfkneipe herhält, zumindest in den Wintermonaten.
Im Kellergewölbe der evangelischen Kirche, deren Sanierung Klaus Elliger als Architekt in den 1990er-Jahren verantwortet hat, veranstaltet ein Kreis von Freunden in den Wintermonaten ein Kleinkunstprogramm. Vielleicht ist es ja wegweisend für eine mögliche zukünftige Umnutzung der Kirche.

Der Fahrradweg entlang der Tiefentalstraße hat viele Hohenwettersbacher aufs Rad gebracht – heute kann man sicher hinter der Absperrung die Steigung hinaufstrampeln oder sich an der luftigen Abfahrt erfreuen.

Auch wenn der Metzger im Ort keinen Nachfolger gefunden hat: Die Nahversorgung ist gesichert.


Das Hofgut Hohenwettersbach schenkte der Karlsruher Stadtgründer Karl Wilhelm von Baden-Durlach seiner unehelichen Tochter Karoline Luise von Wangen, die dann den Freiherrn Wilhelm Friedrich Schilling von Cannstatt heiratete.


1 Pappelallee
2 Gutshof
3 Kleines Tagelöhnerhaus
4 Lustgarten
5 Fahrradweg
6 Einkaufsmarkt
7 Golfplatz
8 Evangelische Kirche
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