Klimakolumne

Wenn ich damals in der Siedlung um die Ecke bog und unser Haus ansteuerte, konnte ich sie zwar nicht immer sehen, aber ich wusste dennoch genau, dass sie da stand: meine Großmutter, die sich hinter der Gardine des Küchenfensters stets bestens über die Geschehnisse in der Nachbarschaft »informierte«. So wurde von dort aus gern auch mal der Zustand der umliegenden Vorgärten kommentiert mit »die Hecke müsste ja dringend mal wieder geschnitten werden« oder »auf dem Rasen ist ja schon überall Unkraut zu sehen« … Perfekt hieß hier vor allem eins: ordentlich. Und das galt nicht nur für die anderen, sondern auch für den eigenen Garten. Ich glaube, dass das weniger eine Eigenart meiner Großmutter war als eine Frage der Zeit – ein gepflegter Garten sah damals eben so aus.

Heute gehört ihr Garten meinen Eltern und hat sich damit nach und nach verändert. Zwischen den Tomaten vor dem Geräteschuppen dürfen nun auch Klee und Löwenzahn wachsen, im gestapelten Kaminholz hat sich eine Vogelfamilie ihr Nest gebaut, der vordere Teil des Gartens (ja, ausgerechnet der, den die Nachbarn sehen können!) darf inzwischen wild wachsen – mit Blumen, Gräsern und Pflanzen, die nicht sofort herausgerupft werden, nur weil niemand sie dort eingepflanzt hat.

Grafik Eisbär im Wasser Illustration

Mir gefällt das äußerst gut, meine Tochter geht sogar noch einen Schritt weiter. Wenn in unserem Wohnquartier der gemeinschaftliche Rasen millimetergenau gestutzt wird, kann sie sich richtig darüber aufregen: Warum muss hier immer alles kurz und sauber sein, wenn es doch auch bunt und lebendig geht? Die armen Bienen und Heuschrecken!

Und eigentlich hat sie recht. Warum haben wir uns derart daran gewöhnt, Natur ausgerechnet dort zu bekämpfen, wo sie uns im Alltag ein kleines Stück näher kommt? Wir mähen, schneiden, jäten und zupfen, sammeln Laub ein und erklären alles zu Unkraut, was sich ohne unsere ausdrückliche Erlaubnis niedergelassen hat. Doch wir machen uns damit nicht nur Arbeit, wir nehmen vielen Tieren auch Nahrung, Schutz und Lebensraum! Klingt das nicht ein bisschen verrückt? Wie wäre es in Zukunft also mal mit ein bisschen weniger Ordnung in den Gärten? Der Natur täte es jedenfalls gut – und unserem Terminkalender ganz nebenbei auch.

Kommt gut und mit bunten Ideen in den Herbst!
Sarah für die miteinander-Redaktion

In unserer Klimakolumne geht die miteinander-Redaktion der Frage nach, wie wir alleklimafreundlicher leben können. Und was unser Alltag hier undheute mit der Entwicklung des Weltklimas zu tun hat.

Ähnliche Artikel

Barrierefreie Einstellungen

Vorlesen
Aus
An
Mit Tastatur navigieren
Aus
An

Navigieren Sie mit der Tab-Taste durch die Seite

Schriftgrößen anpassen
Aus
An
Schwarz/Weiß Modus
Aus
An

Cookie-Einstellungen

Wir verwenden Cookies, um unsere Website für Sie nutzerfreundlicher zu gestalten und fortlaufend zu verbessern. Wir unterscheiden zwischen Cookies, die für die technischen Funktionen der Webseite zwingend erforderlich sind, und optionalen Cookies (z.B. für Analysen). Beachten Sie, dass auf Basis Ihrer Einstellungen ggf. nicht alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen. Sie können jetzt oder später festlegen, welche Cookies Sie zulassen. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.

loading