Ein Jahr Erdgastanken in der Durlacher Allee: Erdgasabsatz stieg monatlich um 10 bis 15 Prozent / Stadtwerke eröffnen 2006 zweite Erdgastankstelle in Karlsruhe
Die Stadtwerke Karlsruhe setzen auf Erdgas als Kraftstoff. Um dieser umweltschonenden Alternative zum „Benziner“ oder „Diesel“ auf die Sprünge zu helfen, legten sie Anfang 2004 für ihre Kunden ein Förderprogramm für Erdgasautos auf: Seitdem hat das Unternehmen 29 Erdgasautos bezuschusst. Außerdem haben die Stadtwerke mittlerweile 15 eigene Erdgasautos in ihrem Fuhrpark. „Den Einsatz solcher Fahrzeuge voranzutreiben ist die eine Seite, die andere ist es, die notwendige Infrastruktur hierfür zu schaffen“, betonte Geschäftsführer Dr. Unnerstall beim Aktionstag zum einjährigen Jubiläum der Erdgastankstelle an der Esso-Station in der Durlacher Allee.
Im vergangenen Jahr investierten die Stadtwerke rund 320.000 Euro in den Bau dieser ersten öffentlichen Erdgastankstelle in Karlsruhe. In Zusammenarbeit mit dem Erdgas-Lieferant E.ON Ruhrgas und mit Esso entstand schräg gegenüber dem Möbelhaus „Mann Mobilia“ eine Erdgaszapfstation, an der dank modernster Technik der Tankvorgang nicht länger dauert als bei den Zapfsäulen für konventionellen Kraftstoff.
Der Erdgasabsatz an der Esso-Tankstelle hat sich mit einer monatlichen Steigerungsrate von 10 bis 15 Prozent sehr positiv entwickelt. Im März tankten dort rund 22 Fahrzeuge täglich.
Zweite Erdgastankstelle im Westen Karlsruhes geplant
Die Zahl der Erdgasfahrzeuge auf Deutschlands Straßen ist im vergangenen Jahr um 42 Prozent auf 27.175 gestiegen. Dementsprechend wird auch das Tankstellennetz immer dichter. Schon heute gibt es in Deutschland 552 Erdgastankstellen - mehr als die Hälfte davon bereits als öffentliche Marken-Tankstellen. Zu den heute verfügbaren Erdgasstationen kommen monatlich gut 15 Neueröffnungen hinzu.
Auch in Karlsruhe wird es bereits im Frühjahr 2006 eine zweite öffentliche Erdgastankstelle im Westen der Stadt geben. Zur Zeit sind die Stadtwerke dabei, einen geeigneten Standort zu finden. Im Gespräch sind die Esso-Station in der Pulverhausstraße und die beiden OMW-Tankstellen in der Willy-Brandt-Allee und direkt an der B 36 gegenüber der Neuen Messe.
Umweltschonend mobil mit Erdgas
„Erdgas als Fahrzeug-Treibstoff hat hervorragende verbrennungstechnische Eigenschaften, ist günstig bei den CO2-Emissionen und gewinnt angesichts der seit Anfang des Jahres geltenden Emissionsgrenze für krebserregende Feinstaubpartikel weiter deutlich an ökologischer Bedeutung“, unterstreicht Dr. Unnerstall.
Die neuen, strengen EU-Luftqualitätsrichtlinien legen die Grenzwerte für die Konzentration von Feinstaub und ab 2010 auch von Stickoxiden in der Atemluft fest. Während derzeit viel über mögliche Lösungen wie etwa Rußpartikelfilter für Diesel-Fahrzeuge, City-Maut, Fahrbeschränkungen oder Straßenbewässerung diskutiert wird und sich die Klagen wegen Überschreitung der Grenzwerte in einigen deutschen Großstädten mehren, sehen Experten eine wirkungsvolle Alternative im Erdgasauto. So setzen sich etwa der ADAC und auch der Verkehrsclub Deutschland (VCD) für den verstärkten Einsatz von Erdgas als Kraftstoff ein.
Tanken fürs halbe Geld
Um die geforderten Grenzwerte einhalten zu können, müssen konventionelle Antriebe teuer nachgerüstet werden. Erdgasmotoren werden also auch in ökonomischer Hinsicht immer interessanter. Außerdem gilt in Deutschland für den umweltschonenden Kraftstoff Erdgas ein besonders günstiger und bis 2020 festgeschriebener Mineralölsteuersatz. „Damit tankt man fürs halbe Geld und die Anschaffungskosten haben sich schnell amortisiert“, so Dr. Unnerstall. Ein erdgasbetriebener Opel Astra etwa koste rund 1.300 Euro mehr als der vergleichbare „Benziner“. Bei einer jährlichen Laufleistung von 15.000 Kilometern dauere es noch nicht einmal zwei Jahre bis sich die Investition zugunsten der Umwelt bezahlt gemacht habe. Mit den 1.000 Euro Zuschuss der Stadtwerke rechne sich das Erdgasauto sogar bereits nach einem Jahr.
Breite Palette alltagstauglicher Autos im Angebot
Nicht von ungefähr steigt die Zahl der zugelassenen Erdgasfahrzeuge beständig weiter an. Auf den „Erdgasauto-Boom“ reagieren auch die Fahrzeughersteller. Unter anderem bieten Fiat, Opel, Volkswagen und Volvo eine breite Produktpalette an Fahrzeugen an, die mit Erdgas betrieben werden. Erstmalig präsentierte Volkswagen auf der Anfang April beginnenden Automobil International 2005 (AMI) in Leipzig die seriennahen Varianten der Modelle „Caddy“ und Touran“ mit Erdgasantrieb. Ebenfalls seine Weltpremiere feierte dort der „Ford Focus C-MAX“ mit Erdgasantrieb, der voraussichtlich noch im August auf den Markt kommen wird.