Jeder Autofahrer hat im vergangenen halben Jahr leidvoll erfahren wie die Kraftstoffpreise angestiegen sind. Dies gilt auch für das Heizöl und hat nun Auswirkungen auf den Erdgaspreis in Karlsruhe: Die auf den Weltmärkten steigenden Energiepreise treiben die Kosten für den Erdgaseinkauf der Stadtwerke Karlsruhe in die Höhe. Aus diesem Grund müssen zum 1. April die Tarife für Erdgas um durchschnittlich 9,5 Prozent erhöht werden. „Öl ist nach wie vor die globale Leitwährung für Energie“, so Dr. Thomas Unnerstall, Geschäftsführer für Vertrieb und Handel der Stadtwerke. Steigt der Ölpreis, dann folgt ihm auch der Erdgaspreis. In Karlsruhe, durch gute Verträge mit dem Vorlieferanten E.ON-Ruhrgas, mit mehrmonatiger Verzögerung. „Dies ist der Grund, warum unsere Kunden bisher mit einem sehr guten Erdgaspreis über den Winter gekommen sind“, betont der Geschäftsführer. Jetzt können die Stadtwerke die stark gestiegenen Beschaffungskosten aber nicht mehr auffangen: „Mit der Preiserhöhung geben wir sie jedoch nur zum Teil an unsere Kunden weiter“, unterstreicht er und bittet um Verständnis für die unvermeidliche Preiserhöhung.
Auswirkungen für Kunden
Zunächst ist von der Preiserhöhung nur der Sommerbedarf an Erdgas betroffen, der im Tarifbereich nur rund 30 Prozent des Jahresbedarfes beträgt. Der Erdgaspreis steigt um netto 0,4 Cent pro Kilowattstunde. Bei einem jährlichen Verbrauch von 18.000 Kilowattstunden (Etagenwohnung mit Warmwasserbereitung oder Einfamilienreihenhaus) erhöhen sich die monatlichen Erdgas-Kosten um etwa 7 Euro. Für ein typisches Sechsfamilienhaus beträgt die Kostenerhöhung rund 42 Euro pro Monat, die sich auf die Wohnparteien verteilen, so dass auch hier die Mehrbelastung je Wohnung bei etwa 7 Euro liegt. Die konstant gebliebenen Grundpreise sowie die Mehrwertsteuer sind in diesen Rechenbeispielen enthalten. Auch nach den Preiserhöhungen gehören die Tarife der Stadtwerke Karlsruhe zu den günstigen in Baden-Württemberg.
Die Ölpreisbindung des Gaspreises
Die Ölpreisbindung des Gaspreises ist so alt wie die Erdgasversorgung selbst. Es gibt sie seit Mitte der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts. Sie gilt nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen mitteleuropäischen Ländern. Der ursprüngliche Grund für die Ölpreisbindung war vor allem die Tatsache, dass Erdgas im Bereich der Wohnungsheizung im Wettbewerb zum leichten Heizöl steht.
Der Gaspreis folgt aufgrund der Ölpreisbindung dem Ölpreis jeweils mit einer zeitlichen Verzögerung von etwa einem halben Jahr. Dabei wird ein Durchschnittspreis für leichtes Heizöl ermittelt und dieser Wert ist die Berechnungsgrundlage für den Erdgaspreis. Durch diese Durchschnittsbildung fallen die Preisausschläge beim Erdgas deutlich geringer aus als beim Heizöl. Die Ölpreisbindung wirkt in beide Richtungen: seit dem Jahr 1999 gab es zunächst eine Phase des starken Anstiegs der Preise, dann gab es 2001 bis 2004 mehrere Preissenkungen hintereinander und seit Ende 2004 steigen die Preise wieder.
Die Ölpreisbindung gilt für die gesamte Lieferkette von den Produzenten in Russland, Norwegen oder Holland über die Importeure bis zu den regionalen oder kommunalen Versorgungsunternehmen und schließlich bis zum Endkunden.