Im Auftrag der Stadtwerke Karlsruhe machte sich der ehemalige stellvertretende Stadtwerke-Chef und jetzige Präsident der Europäischen Brunnengesellschaft Prof. Dr. Dietrich Maier zusammen mit Martin Kuppinger und Jutta Eggers von den Stadtwerken Karlsruhe sowie neun Feuerwehrleuten aus Ludwigshafen und einer Ärztin Mitte Januar auf den Weg an die Südküste Sri Lankas, um dort die Trinkwasserversorgung nach der Tsunami-Katastrophe wieder aufzubauen. Markus Gruber, Elke Chemelli und Heiko Mehl von den Stadtwerken folgten und lösten das erste Team Anfang Februar bei ihrer schweren Arbeit ab.
In der Region Matara ganz im Süden der 65.500 Quadratkilometer großen Insel Sri Lanka, unterhalb Indiens, sind in Ufernähe fast alle Trinkwasserbrunnen durch die Flutwelle versalzt und verschmutzt. Das Hilfsteam konzentriert sich zunächst auf die Region rund um den direkt an der Südspitze gelegenen Ort Weligama. Dort leben etwa 40.000 Menschen, die seit der Flutwelle kein sauberes Wasser mehr zum Trinken haben.
Sauberes Trinkwasser für 1.000 Menschen
Im Gepäck hatte das Expertenteam 10 Tonnen medizinische Hilfsgüter und technische Ausrüstung, wie etwa Stromaggregate, Tauchpumpen und eine große Meerwasser-Entsalzungsanlage. Das rund 90.000 Euro teure Gerät kann 1.600 Liter Meer-, Brack- und Süßwasser pro Stunde in hygienisch einwandfreies Trinkwasser umwandeln. Bei einem von der World Health Organisation (WHO) festgelegten Wasserbedarf von 15 Litern Trinkwasser pro Person und Tag können mit dieser Anlage, die täglich rund zehn Stunden in Betrieb ist, mehr als 1.000 Menschen mit Trinkwasser versorgt werden.
Nachhaltige Hilfe beim Wiederaufbau
Ziel des Hilfsprojekts ist es jedoch, nicht nur Soforthilfe zu leisten, sondern am Wiederaufbau in Sri Lanka mitzuwirken: „Geldmittel der Aktion ‚Karlsruhe hilft‘ ermöglichen diese langfristige Hilfe“, so Oberbürgermeister Heinz Fenrich. Mit rund 30.000 € werden die Folgekosten der Trinkwassergewinnung und die Weiterentwicklung der Notwasseraufbereitung für die kommenden sechs Monate sichergestellt. 12.000 €, die anlässlich des 60. Geburtstags des Oberbürgermeisters gesammelt wurden, kommen Waisenkindern im Distrikt Matara zu Gute. Geprüft wird in Zusammenarbeit mit der GTZ und dem Entwicklungshilfe-Ministerium ein großräumiges Trinkwasserprojekt im Distrikt Jaffna im Norden Sri Lankas. Dort sollen die langfristigen schädlichen Umwelteinflüsse der Flutkatastrophe beseitigt werden.
Spendengelder ermöglichten Einsatz in Sri Lanka
Die Stadtwerke Karlsruhe sind Koordinator des Hilfsprojekts und haben hierfür Fachpersonal sowie einen Großteil der technischen Ausrüstung zur Verfügung gestellt. „Wir sind froh, durch unser Know-how im Bereich der Trinkwasserversorgung den Menschen im Katastrophegebiet aktiv helfen zu können“, unterstreicht Geschäftsführer Dr. Karl Roth das Engagement der Stadtwerke.
Neben dieser Hilfe gingen und gehen viele Spendengelder auf dem Konto der Brunnengesellschaft ein: Die Stadt Karlsruhe, die Neuapostolische Kirche, der Arzneimittelhersteller Schwabe sowie die Firma Neef in Karlsruhe gaben große Summen für den Sri Lanka-Einsatz, aber auch viele Privatleute unterstützen das Vorhaben. „Besonders erwähnen möchte ich die Technischen Werke Ludwigshafen mit Dr. Gerhard Weissmüller an der Spitze“, so Prof. Dr. Maier. Er sicherte spontan zu, die Hälfte der Kosten für die Entsalzungsanlage zu übernehmen und ebnete so ein Stück weit den Weg für den Hilfseinsatz, der anfangs unter keinem guten Stern stand. Denn obwohl Prof. Maier bereits seit Anfang Januar mit hochqualifiziertem Team und komplettem Gerät bereitstand, durfte er zunächst nicht starten. Außerdem musste die Brunnengesellschaft für die kompletten Transportkosten – immerhin rund 10.000 Euro – selbst aufkommen, denn: Es wird nur die Anreise für Hilfsorganisationen des Bundes, nicht aber für anders organisierte Fachleute bezahlt.
Ehemaliger Bundeskanzler Kohl knüpfte die Kontakte
„Es war schon ein Gefühl der Ohnmacht, helfen zu wollen und auch zu können, aber nicht zu dürfen“, erinnert sich Prof. Maier. Ein glücklicher Zufall brachte den Stein dann doch noch ins Rollen. Altbundeskanzler Kohl, der über Weihnachten Urlaub auf Sri Lanka machte und die Flutkatastrophe miterlebte, knüpfte den Kontakt über die Botschaften in Sri Lanka und Deutschland zur Berufsfeuerwehr in seiner Heimatstadt Ludwigshafen und den dortigen Stadtwerken. Deren Chef erinnerte sich an seinen ehemaligen Kollegen und seine Bereitschaft, mit seinem Know-how und Equipment den Flutopfern zu helfen. Hinzu kam auch der Wille der Stadtwerke Karlsruhe aktive Hilfe zu leisten. Gut drei Wochen nach dem Seebeben konnte es dann endlich losgehen. Aber: Für den Einsatz, der die Brunnengesellschaft bisher etwa 140.000 Euro gekostet hat, gab und gibt es nach wie vor keine staatliche Finanzspritze; er wird ausschließlich aus Spendengeldern finanziert.
Die Brunnengesellschaft bittet um Geldspenden für Sri Lanka
Wer die Trinkwasserhilfe für Sri Lanka unterstützen möchte, kann seine Geldspende unter dem Stichwort „Hilfe für Sri Lanka“ direkt auf das Konto der Europäischen Brunnengesellschaft bei der Badischen Beamtenbank Karlsruhe (Kontonummer 4815564, Bankleitzahl 660 908 00) überweisen. Die Brunnengesellschaft stellt Spendenbescheinigungen aus und garantiert, dass die Spendengelder ausschließlich in den Katastrophengebieten verwendet werden.