Die „R-Tour“, die die Stadtwerke vor mehr als vier Jahren ins Leben riefen und die schon lange zum festen Bestandteil des Veranstaltungsprogramms der Kundenberatung geworden ist, führte bereits 1.000 Umweltfreunde zu regenerativen Energieer-zeugungsanlagen in Karlsruhe. Die Stadtwerke fördern solche Anlagen mit den Geldern aus ihrem Umweltangebot „R plus“. Bislang haben sich 1.500 Kunden dafür entschieden und unterstützen mit einem kleinen Aufschlag auf den Strompreis den Ausbau der regenerativen Energieerzeugung in der Fächerstadt. Besonders gerne ange-nommen wird die „R-Tour“ von Schulen, der Universität und Karlsruher Vereinen, aber auch ausländische Besuchergruppen aus Japan und Burkina Faso standen schon auf der Teilnehmerliste.
Treffpunkt und erstes Ziel der Radtour war das Karlsruher Sonnendach, eine Gemeinschafts-Solaranlage von 200 privaten Anteilseignern auf dem Verwaltungsgebäude der Stadtwerke Karlsruhe. Die Photovoltaikanlage ist mit 50 Kilowatt Leistung die größte und leistungsfähigste netzgekoppelte Anlage in der Stadt. Das Sonnendach ging 1999 in Betrieb und wurde dank des großen Zuspruchs bisher zweimal erweitert. Heute erzeugen die 530 Solarmodule der 475 Quadratmeter großen Solaranlage mehr als 45.000 Kilowattstunden Strom im Jahr. Die Rahmenbedingungen für einen guten Stromertrag sind ideal: Die Längsachse des Bauwerks ist ost-west-orientiert, so dass die Solarzellen nahezu optimal nach Süden ausgerichtet sind. Zudem ist das Dach nahezu verschattungsfrei. Auch der Super-Sommer 2003 sorgte für einen außergewöhnlichen Solarertrag: Im Vergleich zum Vorjahr produzierte die Photovoltaikanlage fast 10.000 Kilowattstunden mehr. In ihren vier Jahren Betriebszeit hat die Anlage insgesamt 204.743 Kilowattstunden Strom erzeugt.
Nächste Etappe der „R-Tour“ war das im Frühjahr 2000 in Betrieb genommene Laufwasserkraftwerk Appenmühle der Stadtwerke. Am Kraftwerk in Daxlanden treibt das fließende Wasser der Alb eine Turbine mit einer Leistung von 40 Kilo-watt bei einem maximalen Durchfluss von 1,8 Kubikmetern Wasser in der Sekunde an. Die Stadtwerke gewinnen mit der Turbine rund 200.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr, welcher für die Versorgung von 80 Karlsruher Haushalten reicht. Bei der Sanierung der Appenmühle haben die Stadtwerke insbesondere die ökologischen Aspekte berücksichtigt. So wurde der betroffene Abschnitt der Alb auf einer Strecke von mehreren hundert Metern naturnah und ökologisch wertvoll zurückgebaut. Durch den Einbau einer rauen Rampe als Fischtreppe am Thomaswehr wurde für stromaufwärts schwimmende Fische eine Wandermöglichkeit geschaffen.
Zum Abschluss ihrer Tour besuchten die Radler die Mülldeponie West, die seit ihrer Nutzung als Standort für Windkraftanlagen auch gerne Windmühlenberg genannt wird. Drei Windkraftanlagen tun dort ihren Dienst, zwei mit einer Leistung von 750 Kilowatt und eine leistungsstärkere mit 1.500 Kilowatt. Die Windmühlenberg GmbH installierte die Anlagen zwischen 1999 und 2003, während die erste Karlsruher Anlage bereits 1997 beim Hofgut Maxau in Betrieb ging. Auf dem Windmühlenberg werden jährlich insgesamt 4,5 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt. Damit können 1.800 Haus-halte versorgt werden. Doch die Windkraft ist nicht die einzige regenerative Energiequelle auf der Mülldeponie. Auch das Deponiegas, das dort entsteht, wird aufgefangen und in Blockheizkraftwerken mittels Kraft-Wärme-Kopplung in Strom umgewandelt. Blockheizkraftwerke sind Anlagen, die bei der Verbrennung von Primärenergieträgern, in diesem Fall Deponiegas, gleichzeitig Strom und Wärme erzeugen. Die Stadtwerke haben im Jahr 2001 zusammen mit dem Amt für Abfallwirtschaft und der Firma Haase Energietechnik AG drei solcher Anlagen installiert. Sie erzeugen jährlich über 8 Millionen Kilowattstunden Strom und rund 4 Millionen Kilowattstunden Wärme. Diese Strommenge reicht für die Versorgung von mehr als 3.200 Haushalten.
Wie viel Strom aus erneuerbaren Energiequellen in Karlsruhe täglich gewonnen wird, können Interessierte im Internet recherchieren. Die „Zentrale Datenbank Erneuerbarer Energien in Karlsruhe“, die unter www.zdee.de zu finden ist, listet alle stadt- und firmeneigenen sowie privaten Karlsruher Anlagen auf und erfasst die Messergebnisse. Im Jahr 2003 beispielsweise erzeugten die Anlagen insgesamt 13,5 Millionen Kilowattstunden Regenerativ-Strom, der für die Versorgung über 5.000 Haushalten ausreichte. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Im Vergleich zur konventionellen Stromerzeugung, die für diese Strommenge 8.600 Tonnen Kohlendioxid an die Umwelt abgibt, entstehen bei regenerativen Energieerzeugungsanlagen keinerlei Schadstoff-Emissionen.